Tag 1: Von Westerland zum Ellenbogen & von Klanxbüll nach Bongsiel – 97km

An diesem Tag sollten wir, ähnlich wie berühmte Leute vor uns, einen signifikanten geographischen Punkt entdecken und diesen weißen Fleck von unserer persönlichen Landkarte tilgen. Angelehnt an unser Vorbild Amundsen konnten wir um 10 Uhr MESZ eine Flagge setzen und die Worte sprechen: „Jetzt stehen wir am nördlichsten Punkt Deutschlands, obwohl wir eigentlich …“, ja, was eigentlich?

Um diesen Punkt zu erreichen mussten wir einen ehemaligen Tummelplatz des Militärs durchqueren, das gleichzeitig ein „Schafzuchtgebiet“ mit freilaufenden Schafen war. Wir fragten uns, ob explodierende Schafe zum Zuchtverfahren gehörten. Offensichtlich ja und mit Erfolg: Wir erreichten ohne von explodierenden Schafen belästigt zu werden unser Ziel und kennzeichneten es mit unserer roten Flagge als unseren Besitz auf ewig.

Den Rest des Tages können wir nur als extrem nass bezeichnen. Selbst die Einheimischen waren über die Wassermassen entsetzt. Andrea hätte den warmen Zug von Westerland in Klanxbüll am liebsten garnicht verlassen. Aber ganz oder garnicht und so ging es wieder tapfer hinaus in den strömenden Regen, zunächst noch ein Stück nach Norden zu Grenze und dann immer am Deich lang nach Süden.

Als zusätzliche Härte kam hinzu, dass wir zweimal einen Schlauch wechseln mussten – im strömenden Regen. Selbst die Schwalben flogen ultra tief, nur wenige Zentimeter über dem Boden. Verblüfft waren wir über die „Mutproben“ dieser munteren Gesellen, die immer wieder knapp vor unseren Vorderrädern vorbei flogen.

Aber die ständige Bewegung hielt uns warm und wir genossen durch den dichten Vorhang des Regens die wunderbare blühende Heide auf Sylt, die Ausblicke aufs Meer, die schönen alten Bauernhöfe, die Deichwiesen mit vielen, vielen Schafen und das großartige Himmelstheater der heran rollenden Wolkenberge.