Tag 20: Chalezeule – Montbéliard (89 km, 195 hm)

Der erste Blick aus dem Fenster zeigte dicke dunkle Wolken. Der Hotelbesitzer war noch Croissant und Baguette besorgen, als wir zum Frühstück gingen. Bis auf eine Dame aus Leipzig waren wir die einzigen Gäste: Nachsaison. Kalorienmäßig gut ausgestattet nach einem reichhaltigen Frühstück, entschieden wir uns gegen das warme Regenzeug und radelten zurück auf unseren Track.

Die Tour ging weiter durch das enge Tal des Doubs mit seinen hohen Kalksteinfelsen. Immer wieder radelten wir an Wehren und den sie überbrückenden kleinen Kanälen vorbei. Das hier gestaute Wasser versorgte die Mühlen und kleinen Industriebetriebe mit Wasserkraft und Strom. Im Gebiet um Besançon gab es Papier- und Textilherstellung, um Montbéliard Metallindustrie. Heute stehen die meisten der Fabriken leer und verfallen. 

In Baume-le-Dames fanden wir eine Bar für eine Kaffeepause, aber keine Brasserie oder Restaurant. Nach Baume-le-Dames wurde die Strecke recht einsam. Eigentlich hätten wir den Radweg verlassen sollen. Der schmale Weg zwischen Steilufer und Fluss war gesperrt. Die Umleitung hätte uns im sehr weiten Bogen auf die Hochfläche geführt. Wir ignorierten den Auszug aus der französischen Straßenverkehrsordnung, der uns saftige Strafen androhte und nahmen den Radweg. Es war nicht ersichtlich, warum die Strecke gesperrt ist. Vielleicht Steinschlag? Der Radweg selbst war in bestem Zustand.

 Erst in L’Isle-sur-le-Doubs bot eine Boulangerie sehr leckere, belegte Laugenbaguettes und Kuchen für eine stärkende Pause. Neben uns pausierte ein Paar mit E-Bikes, die darüber rätselten, wie weit es noch bis Baume-les-Dames sei. 

Wir hätten die Pause noch ein wenig mit einem Gespräch übers Radeln verlängern sollen. Kurz nach L’Isle fing es an zu regnen. Erst leicht und dann schüttete es. Bei der Schleuse Saint-Maurice sahen wir auf der anderen Seite einen Fahrradladen, der auch Kaffee anbietet. Wir retteten uns ins Trockene.

 Leider konnten wir nicht genug Französisch und der Besitzer nicht genug Englisch. Sonst hätten wir einen kleinen Schwatz über E-Bikes und „analoge“ Räder halten können. Offensichtlich geht auch in Frankreich der Trend zum E-Mountainbike, denn es waren vor allem motorisierte Bikes von Cube im Angebot und nur noch wenige analoge MTBs. 

Pünktlich mit dem letzten Schluck Kaffee hörte der Regen für heute auf. Jetzt war es nicht mehr weit bis Montbéliard. Der kräftige Rückenwind hatte uns in Rekordzeit bis zu unserem heutigen Ziel geweht. Ins Zentrum folgten wir dem neu angelegten Radweg entlang des Kanals. Der Track der offiziellen, französischen Webseite des EV6 hätte uns entlang einer verkehrsreichen Straße geschickt.

Montbéliard wirkt schon recht elsässisch. Schmale Häuser mit gelben, flieder-, lavendel- und rosafarbenen Fassaden reihen sich in den Gassen rund um den Burgberg. Die Grafschaft Montbeliard kam Ende des 14. Jahrhunderts durch Heirat an die Herzöge von Württemberg, die das Ländchen bis zur Revolution 1793 regierten und es Mömpelgard nannten. Heinrich Schickardt entwarf Ende des 16. Jahrhunderts den Bauplan für die Burg, die protestantische Kirche und die Stadt.

Unser Unterkunft rühmt sich, eines der ältesten Gebäude und Hotels in der Stadt zu sein. Es beherbergte im 16. Jahrhundert die Waage der Stadt und wird Mitte des 18. Jahrhunderts als Hotel erwähnt. Stolz gibt eine Plakette zur Kenntnis, dass Ende des 2. Weltkrieges hier das Hauptquartier der französischen Truppen war und General De Lattre De Tassigny hier die Befreiung des Pays de Montbéliard, des Elsass und Deutschlands plante. 

Wir fragten uns, ob der lange württembergische Einfluss auch die Speisekarte der Restaurants beeinflusste. Es gab aber keines, das Spätzle, Linsen, Saitlinge oder Herrgottsbescheisserle auf der Menukarte hatte. Wir probierten stattdessen französisch-kolumbianische Bioküche und waren damit sehr zufrieden.