Kaufbeuren – Memmingen (67 km, 599 hm)

Heute schloss sich der Kreis. Wir radelten von Kaufbeuren nach Memmingen, der bayerischen Stadt, in der unsere Bayernrunde vor drei Wochen begann.

Die Wetterfrösche hatten einen trockenen Tag versprochen, was das von Westen anrollende Tiefdruckgebiet nicht weiter störte. Wir radelten von Kaufbeuren, wie immer steil bergauf, auf dicke schwarze Wolken zu. Sie waren jedoch schneller als wir, regneten vor uns und hinter uns, so daß wir nur wenige Tropfen abbekamen und sich für uns die Wettervorhersage doch erfüllte.

Wir wollten nicht die gleiche Strecke zurück nach Memmingen radeln und ließen uns vom Bayern-Radweg-Planer eine neue Runde etwas südlich vorschlagen. Die Planer meinten es gut und bescherten uns auf ruhigen Wirtschaftswegen zahlreiche, wunderbare Aussichten übers stille, bäuerliche Land. 

Auf einer Weide lockte ein Bauer ein übermütige Bande von Allgäuer Braunvieh Rindern im Slalom, um mehrere Zäune zur nächsten Weide. Wir hielten gegenüber an, um einen Cache zu suchen. Das fanden die Rinder interessant. Neugierig schauten sie uns zu und ignorierten ihren Bauern, der zuvor ihr ganzes Interesse hatte. Irgendwann wurden wir langweilig, ein Teil der Bande sprintete ihrem Herrn hinterher, der Rest begann zu spielen und zu grasen. Erst als der Bauer und die Hälfte ihrer Freunde schon weit weg waren, liefen sie, Schwanz in die Höhe und laut muhend auf ihre heutigen Weidegründe zu. 

Erster Höhepunkt des Tages war das Kloster Bad Irsee. Wir bewunderten die schöne, schlichte Fassade der Klosterkirche und den stattlichen Maibaum im Vorgarten. Er wurde 2017 von den Motorradfreunden Bad Irsee „in wildem Schneegestöber“ errichtet und ist 29,5 Meter hoch, 3 Tonnen schwer, hat einen maximalen Umfang von 176 cm und zeigt 20 Motivtafeln mit Handwerksdarstellungen.

Bad Woerrishofen kündigte sich schon weit vor den Toren der Stadt durch eine Heillandschaft an. Es gab gesunden Themen gewidmete Stöckelpfade, Erwachsenenspielplätze mit heilgesunder Turnanleitung und Kneipanlagen  am Bachlauf. Pfarrer Kneip grüßte uns als Statue, Kopfporträt oder Relief.  

Der Stadt sah man an, dass sie im späten 19. Jahrhundert als Heilort entstanden ist und zur Boomzeit der Heilbäder in den 60iger und 70iger Jahren ausgebaut und zur Stadt erhoben wurde. Abseits der wenig attraktiven Fußgängerzone, aber direkt neben der Durchfahrtstraße fanden wir ein Café mit sehr großen Sonnenschirmen, genau rechtzeitig vor dem einzigen Schauer, der uns heute ereilte. Der Weg hinaus führte uns am Kurpark entlang, der in wundersamer, blütenreicher Gartenkunst prangte.

Das stetige Auf- und Ab machte uns schon bald wieder hungrig. Die „Katzbrui-Mühle“ bei Apfeltracht kündigte sich schon weit vorher mit verlockenden Schildern an. Wir radelten gerade auf einem schönen, langen Höhenrücken, als das letzte Schild nur noch 500 Meter bis zur Mühle versprach – steil bergab. Bernhard erbarmte sich, sauste hinunter und konnte dann telefonisch mitteilen, dass es dort sehr urig sei und das Lokal geöffnet habe.

Die dicke schwarze Wolke über uns zog nach Südwesten und so genossen wir die Forellen-Jause im schönen Innenhof der Mühle. Das 360 Jahre alte Mühlenhaus ist aus Holz in Blockbauweise gebaut. Es hat ein oberschlächtiges Mühlrad, dem das Wasser von den Mühlteichen über einen hohen Holzkanal zugeleitet wird. Die Holzpfeiler, die den Wasserkanal tragen, sind von Sinter ummantelt. Unterhalb des Mühlrades hatte sich unter dem stetigen Wasserstrahl ein halbrundes Sinterbecken gebildet.

Nach der Mittagspause kam die Sonne heraus. Wir überholten ein ebenfalls mit Gepäck radelndes Ehepaar und kamen ins Gespräch. Horst und Liz kommen aus Freiburg, sind ebenfalls begeisterte Bio-Biker und unterwegs auf dem Allgäu-Rundradweg. Ihr nächstes Ziel war Ottobeuren  und so radelten wir gemeinsam und unterhielten uns über unsere diversen Radabenteuer.  Nach einem gemeinsamen Kaffee besuchten die Damen die prachtvolle, riesige Basilika. Danach trennten sich unsere Wege wieder.

Wir hatten es nicht mehr weit bis Memmingen. Am Maubach entlang ging es durch die Vorstadt zur Altstadt. Diesmal radelten wir durch das mittelalterliche Backsteinstadttor mit dem sinnigen Namen „Einlaß“. Ein letzter Cache klärte uns darüber auf, dass es von Spitzweg gemalt wurde und Schauplatz eines Märchenfilms mit Hans Clarin war.

Leider hatte das nette Hotel, das uns bei unserem ersten Besuch beherbergte, keine Zimmer mehr frei. Die meisten Hotels in Memmingen sind gerade ausgebucht. Nah am Marktplatz hatte man aber noch ein Zimmer für uns. So genießen wir den vorletzten Abend unserer Tour umgeben von prächtigen Bürgerhäusern und inmitten der abendlich entspannten Bürgerschaft Memmingens.