Bad Tölz – Schongau (69 km, 612 hm)

Diesen Radeltag kann man mit Fug und Recht den geologischen Tag nennen. Caches erzählten uns geologische Geschichten und wir sahen und spürten die verschiedenen eiszeitlichen Formen, die die Inn-Loisach-Gletscher der verschiedenen Eiszeiten in die Landschaft schürften.

Als wir vom Hotel zur Isarbrücke radelten und auf die andere Seite der Stadt schauten, fragten wir uns: Müssen wir da heute rauf? Stolze 1248 Meter ragt der Blomberg im Süden der Stadt in die Höhe. Wir waren erleichtert, als der Weg Richtung Bad Heilbrunn am Berg vorbeiführte und wir lediglich die Bodenstation des Alpenspielplatzes an seinem Fuß zu sehen bekamen. 

Nach der Überquerung der Loisach erzählte uns das Listing eines Caches an einer kleinen Lore vom Bergbau in Penzberg. Hier wurde von 1800 bis 1966 Pechkohle abgebaut. Pflanzenreste am Rand des Molassemeeres wurden von Sedimenten zugedeckt und verrotteten nicht. Die Alpenentstehung setzte diese Schichten unter extremen Druck und hohe Temperaturen. So entstand nicht Braunkohle, sondern Pechkohle. Ihr hoher Heizwert machte sie lange Zeit zu einer wichtigen Energiequelle in Bayern.

Bald danach durchquerten wir zwischen Iffldorf und Huglfing den südlichen Teil des Eberfinger Drumlinfeldes. Kleine und große, langgestreckte, stromlinienförmige Buckel liegen wie grüne Rücken einer großen Gruppe urzeitlicher Wale in der Landschaft. Die Bewegung des Inn-Loisach-Gletschers in der Würmeiszeit hat den Geschiebemergel der Grundmoräne wellenförmig verformt und diese weichen Hügel beim Abtauen zurück gelassen.

Sind sie die Heimat seltsamer, grüner Zwerge, die die Kinder der Bauern beschützen? Oder sind die Zwerge gar bösartig, stehlen und ersetzen dann die Kinder? An der Einfahrt fast jeden Hofes stand so ein kleiner Kerl und wies uns auf spielende Kinder hin. Spielende Kinder sahen wir jedoch nie. 

Kurz vor Huglfing konnten wir tief in das Innere der mächtigen Schichten aus Kies, Sand und Mergel blicken, die in verschiedenen Eiszeiten hier aufgehäuft wurden. Emsig arbeiteten große Bagger und Laster in dem tiefen Loch und sorgten für stetigen Nachschub für die Bauindustrie und den Wegebau. Wir sind auf diesem Kies heute sicher manchen Kilometer gefahren, denn die Forstwege sind hier alle damit belegt.

In Huglfing selbst trafen wir auf den nächsten Werkstein dieser Gegend: Tuffstein. Die älteren Häuser, auch unser Mittagsgasthof, das gegenüberliegende Kirchlein und das Pfarrhaus bestehen aus graubraunen Kalktuffsteinen. Sie lassen die Häuser gediegen und schwer erscheinen. Bunte Fensterläden und viel Blumenschmuck lockerten diese erdige Schwere auf.

Nach einem leckeren Salat und Pflaumenkuchen ging es zwischen ausgedehnten Wiesenflächen hinunter an die Ammer. So heißt der Oberlauf der Amper vor dem Ammersee. Unser Track verwandelte sich zuerst in ein Pfädle, dann in einen breiten, kiesbestreuten Forstweg, der uns flussauf bis zur Ammerschlucht führte. Eine Sackgasse für unsere Räder, aber das nächste geologische Highlight.

Bernhard machte am Ufer der Ammer eine Pause, während Andrea einen kleinen Weg hinauf stieg und sich von einem Earthcache die Entstehung von Tuffstein erklären ließ, ein Prozess, der hier ein bemerkenswertes und schönes Gebilde schafft.

Am Ausgang der Schlucht stürzt sich kohlensäurehaltiges Quellwasser hinunter zur Ammer. Es kommt aus kalkreiche Schichten. Der Kalk wird zusammen mit der Kohlensäure ausgefällt und lagert sich an Moosen und Pflanzen  als Kalksinter oder Tuffstein ab. Hier ist ein kleines, moosgrünes Miniatur-Pomukkale entstanden, das sich den oberen Hang hinauf zieht. Daneben fließt schnelles Wasser in einer kleinen Sinterrinne, die das Zeug hat in vielen, vielen Jahren zu einer steinernen Rinne hoch zu wachsen. 

In langgezogenen Stufen ging es dann hinaus aus der Schlucht auf die vorletzte Hochfläche und nach Peiting. Eine steile Abfahrt entlang einer befahrenen Straße brachte uns hinunter zum Lech. Zum Schluss noch ein heftiger Steilanstieg (21 % zeigte Bernhards GPS) und wir radelten durch das Stadttor nach Schongau hinein.