Tag 25: BremerHaven – Bremen (96 km, 109 hm)

Dies ist der letzte Tag der Tour. Etwas wehmütig radelten wir zurück nach Bremen, von wo wir am Dienstag den EC nach Hause nehmen wollen.

Die Wetterfrösche verkündeten Sommerwetter und mäßige Winde aus Süd. Wir verließen Bremerhaven als seine Bewohner in einen neuen Schul- und Arbeitstag starteten. In den Nebenstraßen gibt es noch viel Kopfsteinpflaster. Die Mäander der Geeste brachten uns in die südlichen Hafenbezirke.

Am Lunedeich reihen sich seit den Dreißigerjahren die Verarbeitungs- und Abfüllhallen für Frisch- und Dosenfisch aneinander. Es roch salzig frisch nach Fisch. Hier lag der Schwerpunkt der deutschen Fischindustrie. Bremerhaven hatte durch die Maßnahmen der Preußen und die Förderung der Nazis den zweitgrößten Fischereihafen der Welt … bis die Meere leer gefischt waren. Heute wird immer noch hinter den Türen mit den schönen Keramiken Fisch verpackt. Jetzt wissen wir, wo unsere bevorzugten Fischkonserven herkommen.

Die Fahrt auf der Ostseite der Weser führte uns zunächst durch flaches Weide- und Marschland. Die Kohlernte war in vollem Gange. Ein großer Teil der Felder war schon gepflügt. Die dunkle Erde glänzte fett in der Morgensonne. Auf den Strommasten sammelten sich die Stare. Wir können sie sicher bald bei uns im Süden begrüßen, bevor sie sich auf die weite Reise ins Winterquartier machen.

Wolfsängste scheint es hier weniger zu geben. Oder hatten die Schafshalter hier schon vor Lupus terminator kapituliert? Auf dem Weserdeich waren kaum Schafe unterwegs. Der Deich wurde gemäht oder prangte in später Blumenpracht.

Wir kamen gut voran. Montags sind Cafés und Restaurants, selbst die Imbisse an den Weserfähren, alle geschlossen. Mittags besorgten wir uns in einer Dorfbäckerei Brötchen und Getränke. Die Bäckersfrau hatte eine Unterschriftenliste für ein Volksbegehren gegen Insektensterben auf der Theke liegen. Auf die Frage, warum man hier oben so wenige grüne Kreuze sieht, erklärte sie, dass es die Bauern nicht kümmert. Sie halten ihre Organisationen für stark genug. Wir wünschten Glück für die Aktion. 

Neben einem modernen Siel hatte man das alte aus dem 18. Jahrhundert gefunden und wieder aufgebaut. Die Gewölbeform ähnelt einem Backofen. An unserer heutigen Pausenbank lagen ebenfalls alte Sielsteine mit eingeschlagener Messlatte zum Ablesen des Wasserstandes.

Bremen kündigte sich mit einem großen, grauen Klotz am Horizont an. Es sah aus wie eine große Werkshalle, entpuppte sich jedoch im näher Radeln als riesiger Bunker mit Namen Valentin. Nie fertiggestellt, sollten hier in großem Maßstab U-Boote gebaut werden. Tausende Zwangsarbeiter kamen hier zwischen 1943 und 1945 ums Leben. Aus dem Ausfahrtskanal kam eisige Kälte  geweht. Museum und Gedenkstätte sind montags leider geschlossen. So musste eine Erkundung per Drohne reichen.

In Vegesack  verließen wir unseren Track und bogen ab auf den „Grünen Ring“ Bremens, ein langer Radweg, der die Radler zunächst idyllisch durch die Garten- und Parkanlagen an der Weser, dann entlang der Flüsse Lesum und Wümme sowie diverser alten Transportkanäle mitten ins Herz der Stadt bringt. Die Bremer lieben diese Strecke und es herrschte entspannter Feierabend-Radverkehr. 

Abends waren wir wieder mit Freunden verabredet. Nach einer schnellen Dusche holte uns Andreas vom Hotel ab und zeigte uns den Weg zu ihrem  Haus. Im Garten verbrachten wir zum Abschluss unserer Tour einen schönen gemeinsamen Abend.