Tag 21: Von Sønderborg nach Hasselberg (104 km, 640 hm)

In der Nacht knarzten und knackten die Wände in unserem Zimmer auf Alskloster. Draußen tobte wieder ein Sturm und brachte nun erheblich kältere Temperaturen. Nordischer Sommer, wie man ihn eigentlich kennt. Als wir um 7 Uhr aufbrachen, waren es knappe 15 Grad. Es blies wieder eine steife Brise von Südwest. Vor uns lagen 42 km nach Westen bis Flensburg, wo wir uns um 11 Uhr mit Klaus und Hilke verabredet hatten.

Es ging entlang der Südküste von Als, der letzten dänischen Insel auf unserer Tour. In Sønderborg wies uns frischer Brotgeruch den Weg zum Bäcker, wo wir das letzte Mal die süßen „Stücke“ kauften, um uns bis Flensburg bei Kräften zu halten.

Dann ging es über den schmalen Kanal, der Als vom jütländischen Festland trennt. Wir wunderten uns über die nun folgende verschlungene Wegführung. Dann machten uns zahlreiche kleine Gedenksteine, ein großes Ehrendenkmal und ein Museum klar, dass wir gerade über die Schlachtfelder bei den Düppeler Schanzen radelten. In Dänemark ist der dänisch-preußisch/österreichische Krieg von 1864, als dessen Folge Schleswig-Holstein preußisch wurde, nicht vergessen. Wir bedauerten, heute keine Zeit für das Museum zu haben. Es hätte uns interessiert.

Bald sahen wir die Flensburger Förde in ihrer ganzen Pracht vor uns liegen. Die hohen Hügel, die das Ufer begrenzen, ließen uns mit ihrem Auf und Ab schnell wieder warm werden. Waldstücke und Hecken schützten vor dem stetig heftiger werdenden Wind.

Andrea wollte gern das letzte dänische Ortsschild fotografieren. In Schweden und Dänemark zieren die Ortsschilder immer kleine Stadtsilhouetten, manchmal mit, manchmal ohne Heißluftballon. Aber in Kollund führte der EV10 weg von der Straße auf einen Naturweg. Ein letztes Mal wollte man uns zeigen, dass Dänemark auch 10 Prozent Steigung und Herausforderungen für Mountainbiker kennt. Eine ebenfalls gepäckradelnde Mutter mit Tochter war schwer genervt und warnte uns vor der bald folgenden ebenso steilen Abfahrt. Aber mit 12 bis 15 Kilo Zusatzgewicht liegt man schwer auf dem Weg und meistert auch sandige und kiesige Löcher in der steilen Abfahrt.

Als wir den dänisch-deutschen Grenzstein erreichten, kam die erste Regenwand von Westen. Tiefschwarzer Himmel, leichte Donnergeräusche und schon standen wir im Wasser. Wir retteten uns unter das Dach des ehemaligen Grenzwächterhäuschen und warteten gemeinsam mit einem Flensburger eine viertel Stunde auf das Ende des Schauers. Schließlich zogen wir dann doch das gesamte Regenzeug an. Wozu hatten wir es mehr als tausend Kilometer durch Skandinavien geschleppt?

In Flensburg schien wieder die Sonne. Pünktlich um 11 Uhr trafen wir Klaus und Hilke am äußersten Ende der Förde und tauschten bei einem Kaffee erstmal die neuesten Neuigkeiten und Ferienerlebnisse aus. Dann ging es gemütlich wieder nach Osten, diesmal am Südufer der Förde. Zick und Zack, rauf und runter, immer wieder mit schönen Ausblicken auf das wild aufwühlte, flaschengrüne Wasser.

In Glücksburg kennen Klaus und Hilke einen netten Imbiss direkt an der Strandpromenade. An verschiedenen Fenstern kann man mediterrane bis typisch deutsche und dänische Imbisse bestellen, auch vegan. Wir entschlossen uns – Dänemark eingedenk – für einen Hotdog. Für Bernhard das Urlaubskindsheitsessen, für Andrea eine Premiere. Sie fand, dass das cremige Senf- und Ketchupgemisch rund um die Wurst die holländische Frikandel – ihr Kindheitsurlaubsnahrung – weit hinter sich läßt. Schade, dass Dänemark diese Fastfoodkultur gegen eine ewige „Burgerei“ getauscht hat.

Die Tour wurde zwar immer wieder von heftigen Regengüssen unterbrochen. Wir fanden aber immer rechtzeitig Unterschlupf. Danach boten Wind, Sonne und Wolken ein fantastisches Himmelstheater über einer idyllischen Landschaft. Nahe der Mündung der Förde kehrten wir noch einmal in das sehr gemütliche, mit viel Herzblut geführte Café Südwesterhaus ein und genossen den Blick bis Sønderborg.

Danach trennten sich unsere Wege. Unsere Freunde radelten zur nächsten Bahnstation, um den Zug zurück zum Auto nach Flensburg zu nehmen. Wir folgten dem Track bis zu unserem Hotel in Hasselberg.

Das Ende der Tour bot uns eine Einführung darin, was in Deutschland als pittoresker Radweg bezeichnet wird: tiefgründiger Schotter oder Sand, Löcherslalom, fußbreite Plattenwege garniert mit schmalen Landstraßen, auf denen rasende Landleute den Radfahrern mal wieder zeigen, was ’ne Harke ist … Wir sehnten uns nach Skandinavien zurück.

Hart am Wind segelnd erreichten wir unter einem Regenbogen gegen 18.30 Uhr unser Ziel. Ein schöner Tag mit unseren Freunden nahm sein beschauliches Ende bei einem Flens und gutbürgerlich deutscher Küche.