Tag 20: Von Svendborg nach Sønderborg (39 km, 305 hm)

In der Nacht heulte der Sturm ums Haus. Eigentlich hatten wir wieder früh starten und entlang der Küste bis Bøjden radeln wollen. Aber das Toben draußen überzeugte uns, lang zu schlafen und dann eventuell nach alternativen Reisemöglichkeiten zu suchen.

Morgens verkündeten die Wetterdienste Windstärke 5 mit Böen bis 8 und 9. Ein Zug hätte uns in drei Stunden über Odense nach Sonderburg gebracht. Irgendwie blöd. Schifffahrten sind schöner. Wir entschlossen uns mit der Fähre nach Ærø zu fahren, von Ærøskøbing nach Søby zu radeln und dort wieder die Fähre nach Fynshav zu nehmen. Auf diese Weise sparten wir angestrengte Kilometer gegen den Westwind und sahen gleichzeitig noch eine der dänischen Inseln.

Ein Danke an unseren netten Gastgeber und schon schob uns der Sturmwind zum Hafen. Auf der Fähre stellten wir fest, dass der Sturm uns genau auf den richtigen Weg geweht hat. Tatsächlich folgt der Eurovelo 10 hier der südlichen dänischen Fernwegroute 8. Unser Track hätte uns weg vom EV 10 auf der nördlichen Route 8 nach Sonderburg gebracht.

Der Prospekt, den wir auf der Fähre fanden, nennt Ærø „Südseeinsel“. Wir fanden, es ist reinstes hyggeliges Dänemark. Die Hafenstadt Ærøskøbing besteht aus den typischen einstöckigen Puppenhäuschen und leuchtet in allen Farben des Sommers. Wie auf Møn war die Landschaft wieder wellig, rundhügelig, durchzogen von kleinen Tälern mit vielen kleinen, meist reetgedeckten Bauernhäusern. Viele der kleinen Gehöfte wurden allerdings nicht mehr bewirtschaftet, sondern waren zu Ferienhäusern umgebaut, standen zum Verkauf oder verfielen. Die Landschaft zeigte aber noch die alten Bewirtschaftungsformen mit schmalen Äckern, die von alten Knicks gegen den Wind geschützt wurden. Diese Knicks waren auf Falster und Lolland weitgehend dem industriellen Landbau zum Opfer gefallen. Hier schützten sie uns vor dem starken Westwind.

Viel zu schnell hatten wir das kurze Stück bis zum anderen Hafen abgeradelt. Hier wartete eine kleine Enttäuschung auf uns. Die nächste Fähre fuhr erst um 18:15 Uhr. Hätten wir doch mal den Fahrplan studiert, anstatt darauf zu vertrauen, dass auch diese Strecke stündlich bedient wird.

OK, radeln wir noch ein wenig über die kleine Insel. Sie ist wirklich die schönste aller dänischen Inseln. Wir fuhren auf dem schmalen nördlichen Ende bis zum Leuchtturm und suchten ein paar Caches. Vom hohen Hügelrücken sahen wir im Westen schon das morgige Ziel der Reise liegen: die Flensburger Förde und fast im Dunst verschwindend Kappeln. Diese Etappe wollen wir mit unseren Freunden Klaus und Hilke, die uns auch auf der Deutschlandtour Nord- Süd und der Elbetour einen Tag begleiteten, ab Flensburg gemeinsam radeln.