Tag 12: Von Dessau nach Magdeburg (91 km)

Nach soviel Architektur sah der Elberadweg heute vor allem Natur vor. Die Elbe sahen wir wieder nur selten, dafür grüne Wiesen, renaturierte Auen, Altarme und kleine Dörfer. Über uns suchten Falken, Schwarz- und Rotmilane und Bussarde die Wiesen und Felder nach unvorsichtigen Kleintieren ab. Die letzten Störche staksten zusammen mit den Graureihern durchs Gras. Trecker zogen Staubfahnen hinter sich her. Die Radwege waren mal frisch asphaltiert, mal plattiert, mal gepflastert. Sie führten am Deichfuß entlang oder ließen uns hoch über der Landschaft schweben.

Auf einem alten Deich kurz vor Dornburg erfreute uns ein Cache mit der Geschichte eines heute unsichtbaren Bauwerks: ein Weidehüterhaus, das um 1900 eine beliebte Gaststätte mit freundlichen Wirten war, die den hungrigen Radlern und Kanuten deftige Gerichte servierten. Wir fanden nur noch den Treppeneingang und letzte Fliesen des Gastraumes. Es war Mittag und wir hätten mit Blick auf die Elbe gerne etwas gegessen. Hier blieb uns leider nur noch ein kunstkritischer Blick auf die Installation „Elbschwemmhölzer mit textilen Elementen“ des örtlichen Handarbeitsvereins.

Schon kurze Zeit später fanden wir in Dornburg einen liebevoll wieder hergerichteten Dorfkrug. Fassbrause, leckerer Kartoffelsalat und Würstchen brachten verbrauchte Energie sofort zurück. Das große Schloss Dornburg, erbaut von der Mutter Katharina der Großen, ehemals auch Sitz der Familie Münchhausen, heute genutzt von den Anhaltischen Landesarchäologen, wirkte sträflich vernachlässigt. Hier wäre eine Investition des Landes Sachsen-Anhalt dringend nötig.

In Pretzien suchten wir einen Cache neben einer wehrhaften, romanischen Feldsteinkirche. Die Infotafel informierte uns, dass wir auf diversen Straßen und Wegen unterwegs waren: Elberadweg – natürlich -, die schon vom letzten Jahr bekannten Kirchenwege Lutherweg und Jakobusweg, die Via Regia und uns ganz neu: die Transromanica. Wieder ein Anregung unsere Radtouren auf ganz Europa auszudehnen? Wir wären danach auf jeden Fall Experten für die Romanik.

Kurz danach entschlossen wir uns, den Deich zu verlassen und eine Elbschleife abzukürzen. Es stellte sich heraus, dass wir hier wohl durch ein Wurmloch schlüpften. In Ranies fanden wir uns auf einem Planetenweg zwischen Saturn und Uranus wieder: Captain Kirk und Lieutenant Uhura auf dem Weg in die unendlichen Weiten des Weltraums.

Kurz vor Magdeburg musste in der „ersten Radler Tankstelle“ noch ein Eis verspeist werden. Bald danach sahen wir die Türme des Magdeburger Doms. Die erste Elbbrücke wartete mit einer Überraschung auf. Alle kennen die Donauversickerung – aber wer kennt die Elbversickerung? Wir staunten!

Unter der zweiten Elbbrücke floss aber wieder reichlich Wasser. Durchs Glacis, vorbei an alten Festungsanlagen ging es zum Hotel und heute lassen wir den Tag beim Jugoslawen ausklingen.