Tag 11: Das Bauhaus in Dessau (30 km)

Dessau hat noch mehr zu bieten, als die ausgedehnten Gartenreiche. Nachdem wir letztes Jahr in Weimar die frühe Zeit des Bauhaus kennen lernten, wollten wir dieses Jahr die Dessauer Jahre und die Gebäude in der Stadt besichtigen.

Ein per Flyer angekündigte dreistündige Rad-Führung fand leider nicht statt. So nahmen wir das Angebot des Bauhaus an und machten eine Führung durch das Hauptgebäude: die Gewerbeschule, das Theater, die Studentenwohnungen und erfuhren vom kompetenten Führer sehr viel Interessantes über die Ziele und Ideale des Bauhaus. Die gut renovierten Gebäude waren beeindruckend. Man fragte sich, was aus Deutschland geworden wäre, hätten nicht die Nazis, sondern die fortschrittlichen, ideenreichen und klugen Köpfe der wilden 20er Jahre das Land gestaltet. Erschreckend wie schnell die braunen Banausen diesem Experiment ein Ende setzen konnten.

Während unseres Besuches ging der einzige Regenschauer des Tages nieder. Danach schien die Sonne und es wurde wieder ein schöner Sommertag, den wir radelnd auf der Bauhaus-Radroute verbrachten. Zuerst fuhren wir Richtung Elbe vorbei an den sogenannten „Meisterhäusern“, die modern gestalteten Villen der Direktoren und Lehrenden des Bauhaus. Leider sind die meisten im Krieg zerstört worden. Nachempfundene Bauten vermitteln einen Eindruck von den bei aller Formstrenge leicht und sommerlich anmutenden Bauten. Von der Gropius Villa ist nur die Garage erhalten. Die einzige UNESCO-Welterbe-Garage der Welt.

In Sichtweite des „Kornhaus“ einem Restaurant, erbaut vom Bauhaus-Architekten Carl Fiege, gönnten wir uns ein Eis, bevor wir uns radelnd und cachend nach Süden bewegten, um die große Siedlung Törten zu besichtigen, wo das Bauhaus einfache, kleine, leicht erschwingliche Arbeiterhäuser mit Gärten errichteten. Obwohl das ursprüngliche Aussehen der Häuser im Verlauf der bewegten, letzten 100 Jahre verloren ging, kann man die Aussage einer alten Bewohnerin, sie habe das Gefühl gehabt, in ein Paradies zu ziehen, noch gut nachvollziehen.

Paradiesisch ist es hier im Biergarten an der Mulde auch. Zusammen mit vielen Dessauern genießen wir einen lauen Sommerabend bei Apfelschorle und Pflaumenkuchen und haben gerade beschlossen, den Abend mit einer Riesencurrywurst ausklingen zu lassen.