Tag 2: Von Špindlerův Mlýn nach Hradec Králové (92,5 km)

Wer wird schneller in Cuxhaven sein? Die Spucke, die Bernhard gestern in den Elbfall gespuckt hat, oder wir auf unseren Fahrrädern?

Diese Frage kann man erst beantworten, wenn man einige Regeln festgelegt hat. Zum Beispiel, ob es um den Ankunftszeitpunkt geht oder ob man nur die reine Fließ- bzw. Fahrtzeit betrachten will. Da die Elbe im Schnitt mit 3 km/h fließt (unterhalb von Stade und bei Hochwasser allerdings schneller) und der Fluss eine Länge von 1094 km hat, ist die Spucke nach 365 Stunden, d.h. nach etwas mehr als 15 Tagen, an der Mündung, also am 26.8. Wir dagegen werden voraussichtlich erst am 29.8. in Cuxhaven ankommen. Rechnet man allerdings unsere „Ruhetage“ heraus, dann haben wir und unsere Fahrräder die Nase vorn.

Heute morgen starteten wir das Rennen. Es begann mit einer langen Diskussion, ob wir eher dem Radführer folgen sollten, der uns in den Wald und die Berge hinauf schicken wollte, oder aber dem Track vertrauen sollten, der uns auf der (viel befahrenen) Straße direkt neben der Elbe bergab schicken wollte. Angesichts der geplanten 91 km entschieden wir uns für die kürzere Straßenstrecke. Der Randstreifen war praktisch ein Fahrradweg, die Autos fuhren rücksichtsvoll und die Straße war weniger belebt als am Tag unserer Anreise.

So blieb auch noch Zeit, die zwei Staumauern der ersten beiden Elbstauseen zu besichtigen und ein paar Caches zu suchen. Vor allem die Stauanlage Les Království war interessant. Der Radreiseführer hatte sie als eines der schönsten Bauwerke Tschechiens gepriesen. Vermutlich ein Übersetzungsfehler! Die schönste Staumauer ist sie mit ihren Wehrtürmen und der Burg aber sicherlich. Hier machten wir mit einem tschechischen Hamburger in Sichtweite der sagenhaften Konstruktion Mittagspause.

Die Streckenführung war abwechslungsreich. Wir fuhren über Landstraßen, Feldwege, alte Bahntrassen und ab Kuks auf einem von der EU finanzierten Radweg. Die meiste Zeit ging es bergab. Nur bei Nemojov mussten wir einen kleinen Berg (ca. 100 hm) erklimmen. Die Elbe war zuerst ein Gebirgsfluss, der munter über große Felsen plätscherte, dann ein schmaler Wiesenfluss und dann wurde sie von großen Dämmen gezähmt und immer wieder für die Industrie und Elektrizitätgewinnung gestaut.

Die Städte hatten alle sehenswerte Ortskerne mit hübscher Architektur. In Kuks fuhren wir durch einen ehemaligen riesigen barocken Landschaftspark und tranken in Sichtweite des großen Hospitals inmitten der Überreste einer alten Kuranlage Kaffee.

In Jaroměř wollten wir eigentlich die Josefov Festung besuchen. Die befand sich allerdings im Belagerungszustand. Wie jedes Jahr um diese Zeit hatten sich Heavy-Metal-Fans für das Brutal Assault Festival zusammen gefunden und ihre Zelte überall in der Stadt aufgestellt.

Am Nachmittag erreichten wir Hradec Králové, das alte Königgrätz, wo Österreich von den Preußen geschlagen wurde und in der Folge der deutsche Bund endgültig die kleindeutsche Lösung zur Gründung des deutschen Reiches ohne die Habsburger Monarchie beschloss. Baden hatte zwar auf Seiten Österreichs gekämpft, wurde aber dennoch Teil des deutschen Reiches.

Den Abend beschlossen wir kurz entschlossen beim Italiener, ganz in der Nähe unserer Pension. Die Innnenstadt soll sehr schön sein, aber der Weg war uns heute Abend zu lang. Wir werden morgen auf der 2. Etappe noch einen Blick darauf werfen.