Tag 3: Görlitz – Bautzen (72 km, 780 hm)

Heute sollte es nun wirklich los gehen! Und es war viel Regen angesagt. Wie so oft wurde der Wetterbericht aber rechtzeitig zu unserer Abfahrt korrigiert und der Regen wurde auf den Abend verlegt.

An der technischen Front ging es gleich mit einem Desaster los. Das Oregon fror ein und ließ sich auch, nachdem die Batterien entfernt und wieder eingesetzt worden waren, nicht mehr starten. Panik! Ohne GPS-Unterstützung würde das Navigieren sehr schwierig werden. Zum Glück erinnerte sich Bernhard daran, das Problem schon einmal durch beherztes Kurzschließen der Batteriekontakte gelöst zu haben (bei entfernten Batterien), und auch diesmal half diese Kur.

Während wir auf der Ausfallstraße Görlitz verließen, deutete sich der Fahrrhythmus für den Rest des Tages an. Es ging lang gezogen bergauf, und dann wieder bergab. So durchquerten wir die Bauernlandschaft der Oberlausitz. Abgeerntete Kornfelder soweit das Auge blickte, gesäumt von Obstbaumalleen. Es duftete nach Stroh und Äpfeln und Birnen. Und es war still. Keine Motorengeräusche. Nur der Wind liess das trockene Laub rascheln und ab und zu schrie ein Raubvogel über unseren Köpfen.

Schon bald überquerten wir die ehemalige preußisch-sächsische Grenze bei den Grenzsteinen 31 und 31. Nun waren wir im historischen Sachsen unterwegs.

Die kleinen Dörfern präsentierten ihre Häuser zumeist frisch renoviert. Die großen ehemaligen Gutshöfe dagegen befanden sich manchmal im abrissreifen Zustand. Auf den Hügelrücken thronten barocke Kirchen mit Zwiebeltürmen. Und wenn auch der Reichtum der Familien zur Zeit sicher nicht immer groß ist. Man weiß sich stolz und humorvoll zu präsentieren. Ein frisch renoviertes Kätnerhaus mit buntem Bauerngarten verkündete mit Wappenziegel an der Einfahrt, dies sei der „Familiensitz“ der Familie Sowieso.

Mittagspause machten wir in Löbau neben einem meteorologischen Messhäuschen, das die Temperaturen in R. und C. anzeigte und auf mehreren Barometern den Luftdruck verkündete. In Hochkirch besichtigten wir die Kirche und den Kirchhof. Hier fand 1758 eine bemerkenswerte Schlacht des siebenjährigen Krieges statt, bei der alle tapferen Preußen, die den Kirchberg gegen die Österreicher verteidigten, starben und der alte Fritz eine schmähliche Niederlage hinnehmen musste. Zuvor hatte schon Gottlob Ehrenreich von Gersdorf sein martialisches Leben, dass er leider, leider als Erbe seines verstorbenen Bruders aufgeben musste, in Stein verewigt. Der Gute hatte unter anderem im Pfälzischen Erbfolgekrieg am Rhein und im Schwarzwald gekämpft. Der Toten von 1870/71, 1914/18 und 1939/45 wurde hier ebenfalls gedacht: die Kriegsgeschichte mehrerer Jahrhunderte an einem Ort.

Das Wettrennen mit dem angekündigten Regen haben wir knapp verloren. Kurz vor Bautzen fing es an zu regnen, so dass wir das berüchtigte Gefängnis und die Gedenkstätte leider links liegen ließen und es vorzogen im Hotel ein Nickerchen einzulegen.

Nun genießen wir den schönen Blick von der Bautzener Stadtmauer auf gleich zwei der zahlreichen alten Stadttürme, trinken leckeres „Landskron Pils“ und probieren die Bautzner Küche: Biersuppe, Senfsuppe, Bemme mit Bratenschnitten …