Tag 1: Zum östlichsten Punkt (53 km)

Die angekündigten Gewitter hatten anderswo gewütet. Die versprochene Abkühlung ließ auf sich warten. Der Tag begann sonnig und warm und es wurde am Nachmittag wieder sehr heiß. Das konnte uns nicht schrecken: heute sollte mit dem Besuch des östlichsten Punktes Deutschlands in Zentendorf die Radtour beginnen.

Wir verließen Görlitz über  den Weg der zum Tode verurteilten Sünder, vorbei an der Nikolaikirche und ihrem alten Stadtfriedhof und durch das Finstertor, in dem früher der Henker wohnte. Steil gings auf dem Kopfsteinpflaster aus dem Neißetal hinauf auf die Ebene. Oben angekommen, fiel uns auf, dass die sommerliche Wärme mal wieder zu einem großen Opfer an den Gott der Vergesslichkeit geführt hatte: wir hatten die Cachedose, die heute für den neuen Cache „Deutschlandtour Ost-West“ versteckt werden sollte, vergessen. Bernhard opferte sich und Andrea erkundete derweil, hoch erfreut, den alten, romantischen Friedhof mit Grabsteinen aus 6 Jahrhunderten.

Mit etwas Verspätung konnten wir dann unsere Tour durch die schöne Oberlausitzer Landschaft beginnen. Oberhalb von Görlitz hatten wir einen guten Blick bis weit nach Schlesien hinein und auf den spitzen Hausberg von Görlitz, der Landeskrone. Immer parallel zur Neisse radelten wir auf ruhigen Wegen entlang von Straßendörfern, abgeernteten Kornfeldern und völlig vertrockneten Maisfeldern. Die Sommerhitze hat auch hier ihren Tribut gefordert.

In einer großen alten Mühle lockte ein kühler, schattiger Biergarten, aber der östlichste Punkte wartete – wir konnten leider noch keine Pause machen. In Deschka, dem letzten Dorf vor Zentendorf, war jedes Haus mit großen Protestfahnen gegen einen möglichen Kupferabbau dekoriert. Hier waren Probebohrungen vorgenommen worden und die Bevölkerung findet die Aussicht auf Bergbau in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht beglückend und kündigt massiven Widerstand an.

In Zentendorf bogen wir dann ab in die Wiesen der Neißeaue. Bauer Friedrichs pflegt hier seit Jahren einen schattigen Rastplatz unter großen alten Eichen, damit die Besucher die Eroberung des östlichsten Punktes Deutschland angemessen mit einem Picknick feiern können. Es ist an alles gedacht worden: ein dicker Findling mit metallener Tafel weist auf die Bedeutung des Ortes. Ein kleines Häuschen birgt ein Besucherbuch. Es gibt eine Bank und Tische für sonnige Tage und ein Iglu mit Tisch und Sitzgelegenheiten für verregnete oder kühle. Daneben weist ein Schild in die Büsche, falls die Besucher ein dringendes Bedürfnis verspüren sollten.

Der eigentliche Punkt liegt in der an dieser Stelle sehr schmalen Neiße. Man kann fast nach Polen spuken. Wir hätten es in dieser Hitze den geruhsamen Schlauchbootfahrern gleich tun sollen und per gemietetem Boot von Görlitz her paddeln sollen. So rammten wir dann durstig und verschwitzt unser Fahne nicht mitten in den Fluss, sondern in die Uferböschung. Nun ist auch dieser Punkt auf ewig unser!!!

Diese Großtat wurde auf dem Rückweg in einem kleinen kuscheligen Cafe mit Kirschschorle und Eis gefeiert. Über Polen braute sich ein schwarzes Gewitter zusammen. Wir waren aber schneller und erreichten unser schönes Hotel als die ersten Tropfen fielen.

Heute Abend werden wir die Lausitzer Cacher kennen lernen, die sich bereit erklärt haben, unsere neue Cachedose zu pflegen.