Tag 21: Montbéliard – Schallstadt (111 km, 152 hm)

Als nächstes Ziel stand Mulhouse auf dem Plan. Ein Blick auf das Höhenprofil zeigte uns, dass der größte Teil der 55 km bergab geht. Für die Strecke nach Hause waren weitere 50 km berechnet. Die Sonne schien wieder vom blitzeblauen Himmel. Die Wetterfrösche verkündeten moderate Spätsommertemperaturen. „Lass uns mal bis Mulhouse radeln und schauen wir mal, ob wir noch Lust auf eine zweite Tour nach Hause haben.“

15 km lang begleiteten uns die Sportler aus Montbéliard. Eine kleine Pause und dann kamen die Sonntagsausflügler, vielleicht aus Belfort und Mulhouse, die ihre Räder mithilfe der Autos an den Kanal gefahren hatten und nun das schöne Wetter und die wunderbare Landschaft genossen.

Kurz nach Montbéliard weitet sich das Tal. Der Kanal verlässt den aus dem Jura kommenden Doubs und folgt ein Stück dem Tal der L‘ Allan und der Bourbeuse. Ab Montreux-Cháteau ist der Kanal eigenständig und überwindet mit zahlreichen Schleusen bei Montreux-Vieux die europäische Hauptwasserscheide zwischen den Flusssystemen des Rheins und der Rhone. 

Vor allem die lange, langsam über 40 Schleusen absteigende Strecke bis Mulhouse scheint bei Rennradlern beliebt zu sein: von Osten kommend bergauf erst Zirkeltraining, dann entspannt zurück. 

Im Norden sahen wir die Vogesen mit dem Ballon d‘ Alsace und dem Grand Ballon . Vor uns lag die Rheinebene und der Schwarzwald mit dem Belchen und Blauen.

Heimische Gefilde! Das beflügelte uns. In Mulhouse besuchten wir den Marktplatz mit dem alten, bunt bemalten Rathaus und der neogotischen St. Stephanskirche. Leider wurde der schöne Platz heftig von einer Rockband beschallt. Das war auch Bernhard zu laut und wir suchten uns einen Thai abseits des Trubels.

Gut gestärkt folgten wir der Beschilderung des EV6 aus der Stadt. Bald waren wir zurück am südlichen Arm des Rhein-Rhone Kanals und Richtung Niffer unterwegs. Dort mündet dieser Arm in den Rheinseitenkanal. Dieser Teil wurde in den 60iger Jahren für die Großschifffahrt verbreitert. Der alte Kanal wendet sich Richtung Norden nach Straßburg. Der südliche Arm wirkt mit seiner Betonwanne immer noch recht steril. Die ursprünglich geplante Fortführung des Ausbaus bis zur Saone wurde aus Kosten- und auch Naturschutzgründen aufgegeben.  Wir können dies nur begrüßen, sonst wäre unsere Reise durch die burgundische Pforte nicht so schön gewesen.

An der Pont du Bouc verabschiedeten wir uns vom Kanal und vom EV6 und folgten unserem „Nach-Hause-Track“ nach Norden. Schnurgerade ging es durch den großen Hardtwald. Hier wurde eine der letzten Schlachten des 2. Weltkrieges zur Eroberung des Rheinübergangs bei Neuenburg geschlagen. Denkmäler und Infotafeln erinnerten an die jungen Männer, die im Dezember 1944 ihr Leben für ein freies Europa verloren.

Am Kraftwerk und der Schleuse von Fessenheim radelten wir über den Rheinseitenkanal und dann über die Hartheimer Rheinbrücke nach Deutschland. Der Autohof 64b versorgte uns mit Kaffee und Eis. Die pausierenden Auto- und Motorradfahrer schauten erstaunt auf unsere bepackten Räder.

Der Rest der Strecke war dann wirklich ein Heimspiel. 17:30 Uhr fanden wir im Kühlschrank ein Jever Fun und stießen auf unsere erfolgreich absolvierte Tour de France an.