Tag 19: Dole – Chalezeule (70 km, 150 hm)

Dole war heute Morgen noch sehr verschlafen, als wir wieder Richtung Doubs rollten. Ein kurzer Einkauf in einem kleinen Lebensmittelladen und schon radelten wir unter dicken alten Bäumen aus der Stadt.

Je weiter wir nach Osten kamen, desto tiefer hatte sich Fluss in den Kalk gegraben. Nicht immer verläuft parallel zum Doubs der Kanal.  Der Fluss ist schiffbar. Der Kanal überbrückt immer nur flachere Flussabschnitte oder Wehre für die Mühlen. 

Am südlichen Ende von  Rochefort-sur-Nenon sahen wir die ersten Kalksteinfelsen aufragen. Kleine Häuser duckten sich unter die teils vorkragenden Felsen. Hinter einem Haus führte eine Treppe hoch zu einer in den Kalk geschlagenen Terrasse. Von dort haben die Bewohner einen schönen Blick über ihre Nachbarn zum Fluss.

Die Landschaft ähnelt ein wenig dem oberen Donautal. Hier wie dort hat sich das Wasser des Flusses in die dicken Ablagerungen des warmen Jurameeres gegraben. Der Doubs schlängelt aber stärker durch den Fels als die Donau.

In Thoraise kürzt der Kanal eine der Schleifen mithilfe eines Tunnels ab. Fußgänger können auf einer Seite den Tunnel durchqueren, müssen aber einen Schirm mitbringen. Denn aus uns unbekannten Gründen werden Eingang- und Ausgang von einem dichten Wasservorhang beregnet. Sollen so Paddler davon abgehalten werden, hier durchzufahren? Die Radler müssen auf jeden Fall über den Berg strampeln.

Der Wind wehte, wie gestern stetig und kräftig aus Südwest. Wieder flogen wir mühelos dahin. Gegen Mittag hatten wir Besançon schon fast erreicht. In Aveney sahen wir Tische, fröhlich mit rot karierten Tischdecken fürs Mittagessen eingedeckt. Die in Ringel-T-Shirts gekleideten Kellner machten schnell einen zusätzlichen Tisch für zwei fertig, als wir beschlossen heute zu Mittag zu essen. Das Restaurant unserer Unterkunft hat heute geschlossen. Dort konnten wir immer noch unsere Einkäufe vom Morgen als Abendessen verzehren. Das Dreigänge-Menu war einfach, aber sehr lecker, und wir machten eine ausgiebige Mittagspause.

Schon von weitem sahen wir die Festung von Besançon hoch über dem Tal aufragen. Die Stadt liegt in einer Flussschleife, die für die Schiffe wieder mit einem Schiffstunnel abgekürzt wird. Wir folgten dem Fluss immer entlang der Stadtmauer auf holprigem Kopfsteinpflaster. Auf dem anderen Flussufer spiegelt eine postbrutalistische Häusergruppe die grauen Festungsbauten des diesseitgen Ufers.

Ein kleiner Durchlass brachte uns auf den Platz der Revolution. Ein große Pendeluhr  ist auf 10 Uhr stehen geblieben. Fing zu dieser Uhrzeit die französische Revolution an? Egal, wir tranken einen großen Kaffee und erinnerten uns, dass wir mit den Kindern in einem Sommerurlaub in Cleron an der Lous die Stadt schon einmal besichtigt hatten. Wir beschlossen, dass diese Reminiszen für heute reichen mussten und rollten durch den schmalen Torbogen zurück an den Fluss.

Wir warfen von der anderen Seite noch einen Blick in den Schiffstunnel und ließen uns dann vom Wind zu unserer Unterkunft in Chalezeule treiben. Am späten Nachmittag ging ein großer Regen nieder. Gut, dass wir da schon im gemütlichen Hotelzimmer saßen.