Tag 18: Verdun-sur-le-Doubs – Dole (70 km, 150 hm)

In der Nacht hatte es stark geregnet. Der Wind aus Nordost drückte die Temperatur. Die Marktleute unter unserem Fenster, die uns heute Morgen weckten, waren warm angezogen. Ebenso die ersten Marktgänger, die sich für die Gemüse-, Käse-, Wurst- und Kleiderstände interessierten.

Dicke weiße Wattewolken segelten über den klaren blauen Himmel, als wir losradelten. Noch in Verdun ging es über den Doubs, immer nach Nordosten. Zuerst zwischen den Flüssen Saone und Doubs, dann an der Saone und später entlang des „Canal du Rhone au Rhin“. Der Wind wehte kräftig aus Südwest. Mühelos flogen wir durch die flache, leicht ansteigende Ebene mit ihren Mais- und Getreidefeldern. 

Von Chalon bis Champ Lavaut teilen sich der EV6 und die Voie Bleue die Strecke. Die Voie Bleue verläuft westlich der Vogesen von Chalon bis Metz. Vielleicht kamen uns auch deshalb wieder zahlreiche Gepäckradler entgegen. Sie mussten heute alle mit dem heftigen Wind kämpfen.

In Saint-Jean-de-Losne sahen wir am gegenüberliegenden Ufer einige Radler in einer Brasserie Pause machen. Wir radelten ebenfalls über die Brücke, in der Hoffnung auf ein Mittagessen. Aber, Madame tat es leid, heute war die Küche geschlossen. Also nur einen Kaffee mit Blick auf die Saone.

Kurz darauf zweigt der „Canal du Rhone au Rhin“ von der Saone ab, die von Norden aus Richtung Dijon und aus den Vogesen zur Rhone fließt. Der Kanal wendet sich ostwärts. Er wird uns bis Mulhouse führen und über die europäische Hauptwasserscheide bringen. Zu Beginn unserer Reise hatten wir ihn von Rheinau bis Straßburg befahren. Wieder waren wir zwischen alten Bäumen an einem schmalen alten Kanal unterwegs, auf dem die sich die Seerosen ausgebreitet hatten. In einer Schleuse sahen wir eine kleine Motoryacht. 

Erst in Damparis fanden wir einen Bäcker. In einem kleinen Park mit Blick auf die „Zone industrielle“ beruhigten wir unsere knurrenden Mägen mit einem mit Cevre, Honigsenf und Schinken belegten Baguette. Vor uns fuhren starke Traktoren große Ladungen klein gesprengten Betons, wer weiß wohin.

Kurz vor Dole wuchs rechter Hand das Hochufer steil in die Höhe. Der Kanal mündete wieder in den Doubs und bald sahen wir die malerische Kulisse von Dole vor uns aufragen. 

Bernhards GPS versuchte für uns den kürzesten Weg zum Hotel zu finden: durch eine unterirdische Quellanlage. Das ging mit Rädern leider nicht. Aber heute Abend zeigte uns dieser fehlgeschlagene Versuch den Weg zu einem idyllisch gelegenen Café am „Canal des Tanneurs“.  

Auf dem Weg dorthin bewunderten wir die schöne Altstadt und die Stiftskirche Notre Dame mit ihrem mächtigen Turm. Stadt und Kirche sind aus dem hellgelben bis blaugrauem Kalkstein des Jura erbaut. Seine Farbe vermittelt den verwinkelten, engen Gassen Licht und Freundlichkeit.

Über einem Kanal sahen wir die Radwegweiser nach Nantes und Budapest, Städte die wir entlang des EV6 kennen gelernt haben. Jetzt sind es nur noch drei Etappen bis wir den Radweg kurz vor Basel verlassen.