Tag 15: Chalon – Le Gros Chigy (59 km, 389 hm)

Heute verliessen wir den EV6 das zweite Mal, um Bernhards Arbeitskollegen in Le Gros Chigy zu besuchen. Wir starteten recht früh, da wieder ein heißer Tag angekündigt wurde.

Ein kurzer Weg durch die Innenstadt von Chalon entlang an der Saone und schon waren wir auf Veloroute 51 Richtung Cluny. Es ist die alte Bahnstrecke Chalon-Cluny, die uns wieder bequeme Steigungen am westlichen Hang des Tals der Grosne bescherte. 

Die Landschaft war bis auf die großen Rebhänge sonnenverbrannt und trocken. Hier kommt wieder der kalkige Jura zutage, der den wenigen Regen dieses Sommers schnell versickern lässt. 

Die Dörfer und kleinen Städte liegen zumeist etwas abseits. Man hatte den Eindruck, dass die Ingenieure im 19. Jahrhundert die ideale Linie zwischen den Dörfern gesucht hatten, um alle zufriedenzustellen. Denn damals wollte jeder Ort Anschluss an die neuen Transportmöglichkeiten, um bessere und größere Absatzmärkte zu finden. 

Wein und Rinder sind die wichtigsten Zweige der Landwirtschaft. Neben den weißen Charrolais  standen auch braune Limousin Rinder auf den Weiden. Den guten Wein der Region Côte Chalonnaise konnten wir Abends bei unseren Gastgebern probieren.

Auf dem Radweg waren viele Tagesradler unterwegs. Vor allem Niederländer oder Belgier  fuhren mit E-Bikes und Hollandrädern auf der bequemen Strecke. Als wir uns Taizé näherten, waren auch große Gruppen von Wanderern unterwegs.

Taizé liegt auf einem kleinen Hügel. Mit 14 Prozent Steigung ging es hinauf in den alten, schönen Ortskern mit seinen aus gelbem Sandstein gebauten alten Häusern und der kleinen Kirche St. Marie-Magdalene. Das Kirchlein ist sehr schlicht. Die gelb-weißen Wände und die kleinen bunten Fenster in der Apsis ließen das Licht warm und sonnig wirken. Ein junger Mann meditierte in der absoluten Stille vor dem Altar. 

Die Häuser und Einrichtungen der Bruderschaft von Taizé liegen hinter dem Dorf. Es war Mittag und die Glocken läuteten zum Mittagsgebet. Zahlreiche Jugendliche strömten von allen Seiten zur Kirche der Versöhnung. Wir wollten, als reine Touristen, nicht stören und radelten weiter Richtung Le Gros Chigy.

Auf kleinen, ruhigen Straßen näherten wir uns dem Ort. Als wir nur noch zwei Kilometer weg waren, sahen wir unser Ziel auf dem Hügel über uns liegen. Es war mittlerweile brütend heiß und der Weg bergauf war weitgehend ohne Schatten. Da kam das kalte Bier, das uns unsere Gastgeber als Willkommen anboten, wie gerufen!