Tag 13: Diou – Montceau-le-Mines (75 km, 156 hm)

Die letzten zwei Tage waren unsere Etappen etwas zu kurz, deshalb musste sie heute länger werden. 

Der neue EV6 führt eigentlich mehrmals in die Hügel. Diese kleinen Wellenritte mit viel Aussicht mussten heute leider ausfallen. Wir wählten den alten EV6 zuerst entlang am Canal lateral, dann am Canal du Centre. Teilweise waren es größere Landstraßen. Der Verkehr hielt sich, da Samstag, aber in Grenzen.

Der Regen der vergangenen Nacht sorgte wieder für einen frischen, klaren Morgen. Bis etwa 10 Uhr waren wir am Canal lateral fast allein unterwegs. Dann kamen uns mehr und mehr Gepäckradler entgegen, die meisten mit Campinggepäck. Wir fragten uns, ob der Radlerstau dem Campen geschuldet war oder ob sie gerade neu in einen Loireurlaub gestartet waren. Digoin und Paray-le-Monial haben Bahnanschluss. Die meisten Radler waren jung oder in unserem Alter. Wir sahen aber auch eine Familie mit mehreren Kindern.

In Digoin verlässt der Radweg die Loire, die südlich im Central Massive entspringt. Der Canal Lateral führte uns ein letztes Mal über Fluss. An den Brückenpfeilern konnte man ablesen, dass das Hochwasser 1846 hier höher war als das von 1866: 7,50 Meter über Normal. 1866 hatten die zusätzlichen Wassermassen des Allier die Katastrophe im Westen ausgelöst.

Der Canal lateral endet hier und ab jetzt begleiteten wir den Canal du Centre, der hier beginnt und in Chalon in die Saone mündet. Zuerst dachten wir, dass auch dieser Kanal gesperrt sei. Im Verlauf des Tages sahen wir aber eine Motoryacht und die automatischen Schleusen schienen einsatzbereit zu sein.

Der Kanal verläuft durch das Tal der Bourbince. Der kleine Fluss mäandert durch ein schmales Tal. Er hat vielmals seinen Weg geändert. Die Wiesen sind buckelig und man sieht deutlich den ehemaligen Verlauf und viele Spüllöcher. 

In Paray-le-Monial machten wir eine kleine Kaffeepause und füllten unseren Bargeldvorrat auf. Zu Mittag saßen wir zusammen mit Franzosen auf einem schönen, schattigen Picknickplatz über dem Canal. 

Dann ging es eine kurze Strecke in die Hügel des Charolais, einer alten Grafschaft im Burgund.  Auch hier wird die Landschaft von Hecken strukturiert, die vor allem Weiden mit großen Rinderherden begrenzen. Ohne Ausnahme sind es weiße Charolais, eine kräftige Fleischtierrasse. Kleine weiße Reiher begleiten die Herden und fangen die Insekten, die das Vieh aufschreckt. 

Das Chateau de Digoine war leider geschlossen. Vom Weg sahen wir gerade noch die Türme und das Dach. Die Drohne ermöglichte uns einen besseren Blick auf das prächtige, gelbe Gebäude aus dem 18. Jahrhundert und seine Gärten. Der jetzige Besitzer, ein Medienmogul, hat es aufwendig restauriert. Die Nebengebäude rotten allerdings still vor sich hin.

Wieder zurück am Kanal klärten uns in Génelard Infoschilder darüber auf, dass der Kanal ab 1940 die Grenze zwischen dem deutsch besetzten und dem freien Frankreich bildete. 

Das Tal der Bourbince ist ein altes Industriegebiet. Steinbrüche, Keramik- und Fliesenwerke, Ziegeleien, Metallverarbeitung und Steinkohlebergbau brachten der Gegend Reichtum und Arbeitsplätze. Von hier stammt ein Drittel aller Pariser Pflastersteine, die über die Kanäle in die Hauptstadt geschafft wurden.

Die Schwerindustrie ist verschwunden. Das Tal scheint dennoch genügend Arbeitsplätze und gute Einkommen zu bieten. Auffallend ist der durchweg sehr gute Zustand der Häuser und Bauernhöfe im Vergleich zu den Dörfern und Städten an der Loire. Ein wichtiges Standbein der Region ist aber nach wie vor die Landwirtschaft, vorwiegend mit Fleisch- und Weinproduktion.

Passend zu diesen Beobachtungen nächtigen wir heute in der zentralen Industriestadt Montceau-les-Mines.