Bad Aibling – Bad Tölz (53 km, 715 hm)

Das südliche Alpenvorland zwischen Bad Aibling und Bad Tölz hält in Ost-Westrichtung etliche, steile Höhenmeter für den Radler bereit. Es fing harmlos und flach an. 

Wir radelten bei frischen Temperaturen durch das ebene Mangfalltal. Hinter Willing suchten wir nach einer Dose. Wir trafen eine große Wespenspinne, die ihre Brut in einem kugelrunden Kokon bewachte. Die Dose fanden wir nicht.

Bei Berbling ging es dann steil hinauf auf die ersten Höhen. Berbling ist ein bayerisches Bilderbuchdorf. Die großen Höfe rund um die kleine, gelb-weiße Pfarrkirche prangten im Blumenschmuck. Hühner gackerten über die Straße. Die kleinen Sommerkätzchen übten die Jagd auf Spatzen. Es roch noch Kuhstall und die Kühe durften auf die Weide.

Heute sahen wir übrigens den ganzen Tag glückliche Kühe, die, bestens versorgt mit Bürsten für die Körperpflege und frischem Wasser aus kleinen Tankwagen, zufrieden das grüne Gras rupften, gemütlich wiederkäuten oder einfach nur dösten. Eine Kuh döste im Stehen, Augen zu, den Kopf auf dem warmen Blech des Tankwagens. Da schmeckt uns der Bergader Käse demnächst noch einmal so gut!

Ein kleines Stück folgte unser Weg der A8, die mit ihrem stetigen Rauschen, die Morgenstille vertrieb. Die Autobahn wird auf Brücken mit moderater Steigung durchs Land geleitet. Wir nahmen jede Bodenunebenheit mit. Bald erreichten wir den Kreis Miesbach und fügten nun freiwillig steile 80 Höhenmeter zum Tagespensum hinzu, um den Irschenberg zu erklimmen und dort einen Cache zu loggen. Der Cachebesitzer lockt hier zurecht die Cacher den steilen Berg hinauf. Der Blick von oben bis zum Wendelstein ist einfach fantastisch. Nach Norden schien man über das flachere Land bis München blicken zu können.

Die Strecke entlang am Mangfall gestern Nachmittag hatte unseren Ketten mit staubigem Splitt arg zugesetzt. Bei Schwibich mit Blick auf „Fuß“ machten wir eine Kettenpflege. Danach sausten wir wieder still und ruhig den Berg hinab zum jungen Mangfall, um dann gut geölt auf die nächste Hochebene empor zu steigen. 

Langsam machten sich unsere Mägen bemerkbar. Das gute Frühstück war längst verbraucht. Jetzt erst stellten wir fest, dass unsere heutige Strecke nur wenig größere Orte vorsah. Nach einer längeren Fahrt durch schattigen Mischwald fanden wir eine Bank mit weitem Blick über Reitham zu den mächtigen Alpen und füllten Kalorien mit Hilfe unserer eisernen Reserve – Energieriegel- auf. Wir ahnten nicht, dass ein kurzes Stück hinter Reitham an der B 318 eine Tankstelle auf uns wartete. Umbraust vom starken Verkehr nahmen wir hier ein zweites Mittagessen mit Kaffee und viel Schorle zu  uns und bewunderten, zufrieden kauend, die Oldtimer-Moped-Sammlung des Besitzers im Schaufenster.

Kurz darauf kamen wir an einem, leider geschlossenen, Gasthaus vorbei. Wir hätten zu gern erfahren, was das Verbotsschild mit der Aufschrift „Tschüss-freie Zone“ so verbietet. Keine Ostfriesen? Keine Hamburger? Keine Norddeutsche? Oder will man der allgemeinen Ausweitung der „Tschüss-Zone“ entgegen wirken, die im Südwesten ja schon bis ins südlichste Baden reicht und dort das heimische „Áde“ oder „Áda“ vertrieben hat.

Die schärfsten Anstiege lagen jetzt hinter uns. Hinter Sachsenkam fuhren wir noch einmal sanft bergan zum Elbach- und Kirchseemoor. Neben dem kiesigen Weg floss ein klares Bächlein über den dunklen Moorgrund. Sperber und Bussarde suchten die nassen, Binsen bestandenen Wiesen nach Leckerbissen ab.

Wie am Chiemsee machte sich jetzt die zunehmende Nähe von Bad Tölz in Form zahlreicher Radler und E-Biker bemerkbar. Mit kleinem Tagesgepäck genossen sie, wie wir, die wunderbare Landschaft. Es war aber sicherlich ein Einheimischer, der uns auf dem steilen, kiesig rutschigen Weg hinunter an die Isar flott mit seinem Alltagsrad überholte.

Nach kurzem Slalomparcour durch die großen und kleinen Spaziergänger und Radler an der Isar erreichten wir heute recht früh unser Hotel. Bernhard hatte einen Nachmittagsschlaf richtig nötig. Eine Biene hatte sich in seinem Helm verfangen und zugestochen. Das Allergiemittel, das dann fällig wurde, macht sehr müde.

Bad Tölz bietet uns heute Abend übrigens ein echtes Highlight: ein ruhiges Abendessen in der zur Fußgängerzone umgewidmeten, zentralen Marktstraße!