Eggenfelden – Engelsberg (61 km, 362 hm)

Heute Morgen radelten wir den Rottal-Inn-Radweg hinunter an den Inn. Wie auch gestern schon erfreuten wir uns daran, dass der Spätsommer begonnen hatte. Den ganzen Tag blauer Himmel, Sonne, und angenehme Temperaturen!

Zu Beginn gab die B 588 die Richtung vor. Der Radweg umschlängelt die stark befahrene Straße. Zunächst ging es aus dem Rottal wieder hinauf auf die letzten Höhen. Einige der Vierseithöfe sind hier noch in der traditionellen Bauweise, ein weißer Steinsockel mit vielfach verziertem Holzaufbau, erbaut. Auch die Scheunen hat man vor dem 19. Jh. aufwändig verziert. Erst die Feuervorschriften des Staates und die Versicherungen sorgten ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts dafür das die Blockbauweise verloren ging. 

Von Reischach aus ging es durch ein schmales Tal steil hinab zum Inn. Rechts plätscherte die kristallklare Reischach über Stufen und Wehre, links rauschte der Schwerlastverkehr auf der Bundesstraße. Ohne die Bundesstraße wäre es eine Postkartenidylle, mit schwarzem Tann und malerischen Mühlen. 

Der Inn hat ein weites, flaches Tal geschaffen. Wir überquerten ihn bei Eisenfelden Richtung Altötting. Breit und behäbig fließt er der Donau zu und hat auch hier die milchig grüne Farbe, die ihn bei Passau noch bis lange nach der Mündung vom dunklen Donauwasser absetzt.

Die Gnadenkapelle in Altötting, ein kleines, einfaches Kirchlein auf einem großen Platz, begrüßte uns mit Mariengesängen. In der Kapelle wurde gerade die Messe gelesen und per Lautsprecher zu den zahlreichen Gläubigen auf dem Platz übertragen. Rundherum herrschte prosaisches Leben. Wir fanden einen Platz in einem Café und beobachteten, wie Klöster von weither, die ihnen zugewiesenen Verkaufsbuden bestückten. Radler, mit und ohne Gepäck oder beladen mit Einkäufen ignorierten das Radelverbot. Altöttinger und Touristen hielten nach leeren Plätzen in den Cafés Ausschau. Priester, Nonnen und Mönche liefen, angeregt plaudernd, ihren täglichen Verrichtungen zu. 

Die Kapelle selbst beeindruckt mit einer Überfülle von Votivtafeln. Sie erzählen von kleinen und großen Katastrophen, die die Menschen seit dem frühen 16. Jh. heimsuchten und die sie mit Hilfe Mariens bewältigten. Verunglückte und kranke Kinder wurden wieder gesund. Wanderer überlebten Überfälle und Schiffsreisende Bootsuntergänge. Soldaten kamen aus den vielen Kriegen glücklich wieder nach Hause. Die modernen Tafeln erzählten von schrecklichen Verkehrs- oder Arbeitsunfällen. Man sieht selten so geballt, wie der Glaube Berge versetzen kann.

Das Innere blieb uns heute verschlossen, da ein feierliches Hochamt zelebriert wurde, dessen Ende wir nicht abwarten konnten. Wir sahen die schwarze Madonna jedoch als Nachbildung in den zahlreichen Devotionalienläden rund um den Platz – zwischen Trappistenbier, Rosenkränzen, Kerzen, Caprisonne und leckerem Klosterschinken aus Italien.

Der Cachesuche geschuldet war ein kurzer Ausflug nach Mühldorf am Inn, Kreisstadt des gleichnamigen Kreises. Hier brachten Germknödel und Kaiserschmarren verbrauchte Energie sofort zurück.

Auf dem Weg zu unserem heutigen Tagesziel holte uns ein sportlicher Gepäckradler aus Westfalen ein. Er drosselte sein Tempo, um sich über Erfahrungen beim Langstreckenradeln mit uns auszutauschen. Er hatte die Strecke von Oelde bis zum Inn in sieben Tagen erledigt, wollte heute noch bis Oberndorf bei Salzburg und dann über die Tauern bis nach Split in Kroatien. Hut ab! Mit solchen Radrennen gestählten Athleten können wir nicht mithalten. Wir verabschiedeten uns in Garching an der Alz und radelten gemütlich unserem Hotel in Engelsberg entgegen.