Biberach – Memmingen (50 km, 392 hm)

Gestern fuhren wir im Nieselregen los. Hochrhein und Bodensee lagen unter tief hängenden, grauen Regenwolken. Am Ende der viereinhalbstündigen Bahnfahrt nieselte es. Und im Hotel lautete das WLAN-Passwort Winter2021. 

Heute morgen sah es dann auch aus, als starteten wir in eine Herbstferien-Fahrradtour. Der Wetterfrosch hatte aber recht mit seiner Vorhersage. Es regnete heute tatsächlich erst, nachdem wir unser Ziel schon erreicht hatten. Eigentlich also nicht schlecht für uns, der Streik der Lokomotivführer.

Die hügelige Landschaft Oberschwabens hielt uns warm. Es ging auf und ab durch stille Bauerndörfer, kleine Wälder, entlang frisch gepflügter Äcker, saftig grüner Wiesen und eher kleinen Flächen mit riesigen Maispflanzen. Einige Betriebe ließen ihr hübsches Allgäuer Braunvieh mit den weißen Ohren und Mäulern auf die Wiese. Wir sahen aber auch große Offenställe, in denen Tiere angebunden Milch für uns produzieren. Die Wiesenhaltung von Federvieh scheint für viele ein guter Nebenverdienst geworden zu sein. 

Kurze Zeit fuhren wir auf dem Oberschwaben-Alpen-Radweg. Hier wurden wir eingeladen uns  „a bitzele na zu hocke“ und „Gottes Schöpfung“ zu bewundern. Wie haben statt dessen einen Geocache gesucht.

In Ochsenhausen statteten wir der großen Reichsabtei, heute „Landesakademie für die musizierende Jugend“, einen kleinen Besuch ab. Andrea bewunderte die helle, freundliche Barockkirche, deren Deckengemälde die Klostergeschichte erzählen.

Hier trafen wir einen jungen Mann, der sein Baby in einer 70iger Jahre Chaise über den Klosterhof schob. Seine Frau musiziert in der Akademie. Wegen des frisch geborenen Sprößlings fiel ihre diesjährige Radtour aus. Aber sie planten schon wieder Radtouren für die kommenden Jahre. Es ist immer nett Radelerfahrungen auszutauschen. 

In Kirchberg am Iller wunderten wir uns über das große neue Rathaus und das mit Hochgarage ausgestattete Schwimmbad. Die Fahrt durch das große Gewerbegebiet offenbarte die Quelle dieses Reichtums. Hier produziert Liebherr seine gelben Bagger. An der Fassade verkündete ein großes Foto die Herstellungen des 75.000sten Mobilbaggers.

Der Illerradweg, der uns nach Memmingen brachte, hatte sich im Verlauf der letzten sieben Jahre entschärft. Der grobe Schotter von 2014 war von vielen fleißig getretenen Räder zumindest in einer schmalen Spur in den Boden gearbeitet worden.

Memmingen empfing uns mit Sonnenschein. Die Sonne ließ sich von den dicken Regenwolken am Nachmittag nicht vertreiben. So konnten wir den Bummel durch die Reichsstadt Memmingen doch noch genießen. Die nassen kleinen Episoden überbrückten wir im Café mit leckerem Kaffee und Kuchen. Am Abend war das erste Ziel, die kreisfreie Stadt Memmingen auf unserer Karte rot zu färben, erfolgreich bewältigt.