Tag 22: Diepholz – Bremen (94 km, 157 hm)

Heute ging die Fahrt durch die Geest Richtung Nordosten. Die Landschaft war nicht mehr topfeben, sondern von kleinen Wellen durchzogen. Mal ging es 10 Meter hoch, mal wieder runter. Ein Höhenunterschied, den die strampelnden Beine durchaus wahrnehmen.

Der Radweg war nach der Hunte benannt, deren Lauf wir bis Höhe Reckum folgten. Allerdings sahen wir den Fluss immer nur dann, wenn die Radwegplaner eine Überquerung für notwendig gehalten hatten. Ansonsten verlief der Weg zumeist entlang von Landstraßen mit Radweg. Nur selten wurden wir von den allerdings nicht stark befahrenen Straßen abseits geleitet. Radfahrer sahen wir, bis auf eine Männertruppe mit Gepäck auf Biobikes, nur in der Nähe von Orten.

Kultureller Höhepunkt der Strecke, folgt man den touristischen Hinweisschildern, waren das Gogericht, die Hügelgräber und die Ozeanbrücke. Das Gogericht war lediglich für Autofahrer ausgeschildert. Wir folgten dem braunen Wegweiser und landeten bei Lahr und wurden dann nicht weiter geführt. Da haben sich die Autotouristik und die Radtouristik nicht richtig vernetzt.

Die meisten Hügelgräber befinden sich um Wildeshausen. Wir folgten  wieder einem braunen Hinweisschild in einen zugewachsenen Waldweg. Autofahrer brauchen hier 4-Wheel-Drive. Wir landeten auf einer frisch geschlagenen Lichtung mit veralgter Erklärungstafel. Aber wo waren die Hügelgräber? Andrea erklomm einen kleinen Erdhaufen und hielt Ausschau – nix! Bernhard ging das Ganze technisch an und ließ die Drohne fliegen. Einzige Ausbeute: nette Fotos zweier Hobby-Archäologen! 

Andrea entdeckte dann statt Hügelgräbern einen Miniaturwald aus Pilzen.

Nach diesem misslungenen Versuch beschloss Bernhard keinen braunen Hinweisschildern mehr zu folgen. Stattdessen hatte nun die Suche nach Caches im Landkreis Oldenburg oberste Priorität. Und siehe da: eine der Dosen (auch schon historisch aus dem Jahr 2004) lag mitten in einem offen gedeckten, ehemaligen Hügelgrab. So sahen wir doch noch eine lange Reihe mächtiger Granitfindlinge, die vor langer Zeit zu Grabkammern geschichtet worden waren. Erinnerungsfoto und weiter ging’s.

Bald danach wurde nicht nur Bremen, sondern auch eine ominöse „Ozeanbrücke“ auf den Radwegeschildern angezeigt. Der D 7, dem wir nun folgten, führte uns geradewegs dorthin. Sie liegt in einem dichten, sumpfigen Erlenwald und ist 175 Meter lang. In den zwanziger Jahren hatte der Wirt des nahen Gasthauses „Amerika“ eine Planke für seine Gäste über die Delme gelegt. Da der Weg nach Amerika über den Ozean geht, wurde diese Behelfsbrücke bald Ozeanbrücke genannt. Der THW baute in den 60er Jahren eine richtige Brücke, die dann zu Beginn des Jahrtausends in diese lange Holzbrücke umgewandelt wurde, um die Sumpflandschaft zu schonen.

Jetzt waren wir nicht mehr weit von Delmenhorst entfernt. Schnurgerade ging es entlang eines großen Übungsgebietes der Bundeswehr, einschließlich Dirt Tracks  für Panzer. Während hier der Zutritt strengstens untersagt wurde, lockten uns auf der anderen Seite Schilder zu einer Wildnisschule und Naturerlebnispfaden.  Kurz vor Delmenhorst ging es dann durch die zugehörige Kaserne. 

Jetzt folgten wir der Delme, einem kleinen unscheinbaren Flüsschen, das aber in Zeiten von Starkregen offenbar auch gewaltig anschwellen kann. Zumindest ließ ein großes Rückhaltebecken, genannt „Delmetalsperre“, darauf schließen. Heute floß sie allerdings friedlich dahin, begleitet von Schafen, die nach Auskunft ihres Schäfers auf den dortigen Schildern, frei entscheiden, wo sie laufen wollen.

So gelangten wir sehr idyllisch mitten ins Herz von Delmenhorst. Auf dem großen Markplatz vor dem Jugendstilrathaus und der alten Markhalle, tankten wir Kalorien und aßen ein großes Eis. Der überwiegende Teil der Häuser stammte aus den 70igern. An einem überaus häßlichen, grünen Haus, trällerte ein Glockenspiel klassische Musik. Wer hat denn da seine Mitbürger erfreuen wollen?

Delmenhorst und Bremen, als Bestandteile der Metropolregion Nordwest,  gehen praktisch in einander über. Kurz vor der Bremer Innenstadt fanden wir ein Hotel. Der Tag wurde auf Bremens Vergnügungs- und Fressmeile „Schlachte“ beschlossen. Endlich mal nicht italienisch essen!