Tag 21: Osnabrück – Diepholz (69 km, 229 hm)

Osnabrück verabschiedete uns kalt, aber sonnig. Wir verließen die Stadt entlang der Klöckner Hase. Der Grünstreifen rechts des kleinen Baches verdeckte vollkommen die benachbarte Industrie. Noch eine kurze Fahrt durch die Stadtteile Schinkel und Gretsch und schon waren wir wieder in den ruhigen Hügeln des Wiehengebirges.

Bei Wehrendorf schlüpften wir durch ein schmales Tal hindurch und hinunter in die Norddeutsche Tiefebene. Bald danach querten wir den Mittellandkanal. Heute morgen war dort kein einziges Schiff unterwegs. 

Zwar konnten wir in der Ferne noch die Dammer Berge, einen der wenigen vorgelagerten Höhenzüge sehen, aber ansonsten war das Land vollkommen eben. Ein beständiger, leichter Güllegeruch verriet uns, dass hier vor allem Viehmast betrieben wird. Die großen Ställe waren zumeist mit Solaranlagen versehen und auch auf vielen Hausdächern wurde Strom produziert. Die Biogasanlagen verströmte wieder ihren eigenen Duft. 

Die Hunte, deren Lauf wir nun folgten, ist auf Grund der beständigen Überdüngung algengrün. War sie zur Zeit der Römer dunkelbraun, wie viele Moorgewässer? Bis ins 19. Jahrhundert war das Land hier ein großes Moorgebiet. Dann legte man Entwässerungskanäle an und begann mit dem industriellen Abbau des Torfes. Im zweiten Weltkrieg mussten hier zahlreiche Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter schwere körperliche Arbeit verrichten. Ein Friedhof  bei Meyerhöfen erzählt von ihrem Schicksal. Viele überlebten die Entbehrungen nicht. Die Dörfer wollten diese Toten jedoch nicht auf ihren Friedhöfen. So wurde ein entlegenes Waldstück zur letzten Ruhestätte. Die meisten hier Bestatteten waren noch keine dreißig. Auch Säuglinge liegen hier. So viele brutal verschwendete Leben. 

Die Hunte fließt in den Dümmer, ein großer, flacher, nach der Eiszeit entstandener See. Auch ihm macht die Phosphatfracht zu schaffen. Eindeichung in den 30er bis 50er Jahren hat das natürliche Zu- und Abflusssystem zerstört. Der See verschlammt und veralgt. Heute versucht man dem mit Renaturierung Einhalt zu gebieten. 

Der See liegt wie ein großer Himmelsspiegel in der Landschaft. Er ist trotz aller ökologischer Probleme ein beliebtes Ferienziel und umzingelt von Campingplätzen. Hier fanden wir ein hübsche Café für eine nachmittägliche Pause. Als wir den See verließen, sahen wir auf einer Weide Heckrinder, eine Nachzüchtung von Auerochsen.

Die restliche Strecke führte uns entlang der Bahnstrecke nach Bremen auf geradem Weg nach Diepholz. Wir kannten beide bisher nur das Stellwerk, das im Vorbeifahren in großen Lettern verkündet, wo man ist. Diepholz überraschte uns mit einer kleinen gemütlichen Innenstadt, einem Wasserschlösschen und interessanten Kunstwerken.