Tag 20: Osnabrück und Kalkriese (63 km, 490 hm)

Der Tag begann mit Frühstück, Tagesbericht schreiben, Wäsche waschen und  Fahrrad abholen. Leider konnte die Acht im Rad nicht beseitigt werden, aber man hatte ein passendes Vorderrad auf Lager.

Toll, dass die Reparatur so kurzfristig möglich war. Großer Dank an die Werkstatt von Radel Bluschke!

So stand der kleinen Radtour zum Final nichts mehr im Wege. Stolz trugen wir uns als erste, die die Strecke vollständig erradelt hatten, ins Logbuch ein. Danach besuchten wir das Stadttor, der Beginn der umgekehrten Multi-Tour von Osnabrück nach Freiburg. Vielleicht machen wir die Tour noch einmal umgekehrt.

Das Stadttor ist gleichzeitig Triumphbogen für die aus der Schlacht bei Waterloo heimgekehrten Helden. Soviel Heldenmut färbte wohl auf die Bürger ab. Ein paar Meter weiter drohte man unter dem friedlichen Bienenkorb den feindlichen Nachbarn.

Der per Radtourenplaner NRW besorgte Track brachte uns nach einer kleinen Kaffeepause sehr schnell und gut raus aus der Stadt ins Wiehengebirge.  Wieder setzt Stille ein. Die großen, schönen, alten Einzelhöfe haben sich vorwiegend auf Viehzucht spezialisiert. Die „Ferkel-Promenade“ zeigte uns, wer in den großen Ställen dem Schlachthof entgegen lebt. Auf den Wiesen sah man Mutterkuhherden, aber auch Jungbüffel mit Beatlespony. 

An einer dicht befahrenen Straße stand einsam ein Findling. Vorne las man lediglich „1813-1913“. Hinten konnte man noch „18.X.“ entziffern. Nur Eingeweihten ist klar, dass es hier um ein Völkerschlachtdenkmal handeln muss. An diesem Tag kapitulierte Napoleon in der Schlacht bei Leipzig. Der Stein wurde vermutlich bei einem Hünengrab entwendet, von denen es hier einige zu sehen gibt – so sie nicht einer Zweitverwendung entgegen gesprengt worden waren.

Bald waren es laut Radwegeschild nur noch 3 km bis Kalkriese, während unser Track noch 5,6 km anzeigte. Wir entschieden uns für die längere Strecke und wurden beim Venner Aussichtturm mit einer weiten Sicht auf unser nächstes Ziel, das Norddeutsche Tiefland, belohnt. Dann ging es flott bergab zum 2011 Jahre alten Schlachtfeld bei Kalkriese.

Schon von weitem konnten wir das verrostete Museumsungetüm sehen. Wir kamen gerade rechtzeitig, so dass Andrea sich noch zur Grabungsführung anmelden konnte. Zuvor blieb noch Zeit für „lukanische Würste“ und Linsensalat. Bernhard entschied sich für Currywurst und Pommes und für entspanntes Email lesen. 

Die Führung war kurz und interessant. Man nimmt gerade eine Nachgrabung vor, um noch offene Fragen einer alten Grabung zu klären, welche auch immer. Die Grabung hatte gerade mittelalterliche Flugspuren frei gelegt. Am Rand der ausgebaggerten alten Grabung sah man schon die noch folgenden Schichten und das eigentliche Kolluvium, das die vom Berg herunter geflossenen Sande mit den Resten der Varusschlacht enthält. Und dann fiel zur Freude der Zuschauer just noch eine blaue, römische Perle aus der Wand. Der Grabungsleiter versicherte hoch und heilig, dass sie sich wirklich gerade gelöst hatte und nicht für die Besucher bereit gehalten worden war.

Danach besichtigten wir gemeinsam die sehr gelungene Dauerausstellung. Wir trugen die Corona-Reitermaske. Die große Nachbildung der berühmten Reitermaske trug weiß. Schön war die Lebensgeschichte eines der Maultiere. Aus seinen Zähnen konnten die Antropologen lesen, dass es in Italien aufgewachsen war und zweimal die Alpen überquert hatte, bevor es hier bei Kalkriese auf dem Schlachtfeld starb.

Leider reichte die Zeit nicht mehr für die aktuelle Sonderausstellung. Es war schon nach fünf, als wir uns wieder auf den Rückweg machten. Unterwegs kamen wir im Nettetal an Widukinds Burg vorbei. Das Land war immer wieder Schauplatz von Schlachten. Widukind leistete Karl dem Großen jahrelang Widerstand, bis er sich taufen ließ und Sachsen zum Reich gehörte.

Diesmal wollten wir in Osnabrücks Altstadt mal ein anderes Restaurant, als einen Italiener finden. Ein alternativ aussehendes Lokal fand unser Interesse. Ein Paar rief uns zu, dass das Essen super sei. Und was wurde serviert? Italienisch! Allerdings wirklich super gut!