Tag 19: Werther – Osnabrück (82 km, 651 hm)

Heute führt uns der Weg auf und ab durch den Teutoburger Wald. Bauernland mit kleinen Dörfern und prächtigen Hofanlagen, die sich in die Mulden des kleinen Mittelgebirges kuscheln. 

Bernhard hatte sich die Gegend waldreicher vorgestellt. Vor allem die Bergkuppen waren von Wald bestanden. Auch hier sah man, wie überall auf der gesamten Strecke, überdeutlich die Auswirkungen des Klimawandels und der letzten trockenen Jahre. Vor allem Nadelhölzer haben die Trockenheit nicht überlebt. 

Zu Beginn der Strecke mussten wir schieben, weil breitflächig geholzt wurde. Aber auch an den Straßen leiden die Bäume. An einer Stelle hatte man kurz vor der Gefahrenstelle „Holzschlag“ kurzer Hand ein Warnschild auf die Straße gesprüht. Wir meisterte die Situation bravourös. 

Aber es gibt auch Hoffnung. Ein kleiner Bonsai-Tannenbaum zeigte uns, wie die neue Saat die abgestorbenen Bäume als Startmaterial für neues Leben nutzen. 

Die Strecke verlief heute in Schlangenlinien. Wir mussten noch nach Melle für den vorletzten Ablesepunkt. Hier hatten wir vor vielen Jahren mit unserer Hamburger 10ner-WG in einem alternativen Tagungshaus Urlaub gemacht. Wir konnten das Haus nicht mehr finden. Erinnerten uns aber gern an die lustigen Nächte mit einer anderen WG, die hier gleichzeitig urlaubte und abends Varieté und Kabarett aufführte.

Rund um Melle sahen wir immer wieder Wegweiser zur berühmten Bifurkation der Hase. Andrea hatte trotz EC nicht so rechte Lust zu einem Abstecher. Sie war heute nicht so fit und wollte nicht zusätzliche Kilometer für eine Bachabzweigung machen. Aber der örtliche Heimatverein kannte kein Erbarmen. Nach dem leckeren Mittagessen (diesmal eine geteilte Gourmetpizza beim Italiener!) führte der Weg direkt an der geographischen Inszenierung vorbei.

Hier (s. Foto) fehlt zwar ein Berg, aber die Hase teilt sich dennoch. Der eine Zweig fließt der Weser, der andere der Ems zu. Aber ist diese Trennung wirklich natürlich? Schon die im 17. Jh. vom Gericht hergestellte Karte zeigt, dass man hier einen Damm errichtet hatte, um das Wasser zu teilen. Die tiefer liegenden Anrainer der Bäche stritten sich um das Wasser und beschuldigten sich gegenseitig, Wasser durch Ableitung zu stehlen. Heute teilt ein dicker Betonriegel die Hase. Wie auch immer: der Heimatverein hat sich hier ins Zeug gelegt und mit etlichen Tafeln und Brücken eine große geographische Infowiese gestaltet. 

Weiter ging es Berg auf und Berg ab zum nächsten Ziel – Georgsmarienhütte. Hier liegt im schönen Kasinopark der letzte Ablesepunkt der Tour. Der Radweg führte uns in großem Bogen am Waldrand um den Ort. Mit sehr vielen Steigungen. Andreas Kräfte lahmten immer mehr, so daß wir uns eine alternative Route entlang der vierspurigen Autostraße suchten. Da erlebten wir wieder hautnah, was wir uns mit unserem Individualverkehr antun. Wir waren froh, als wir nach dem Park auf eine lange Radstraße Richtung Osnabrück Innenstadt abbiegen konnten. Hier war es friedlich und still, nur die leise surrenden Motoren der abendlich von der Arbeit und vom Studium heimradelnden E-Biker durchbrachen die Stille der Vororte. Selten findet man eine so ruhige Radzufahrt bis mitten ins Herz einer Stadt.

Abends berechneten wir bei der unvermeidlichen Pizza und kühlem Bier die Finalkoordinaten des Langstrecken-Multis. Wir werden das Logbuch morgen zeichnen. Bernhards Fahrrad ist zur Reparatur des Vorderrades in der Werkstatt.