Tag 1: Schallstadt – Kehl (93 km, 38 hm)

Sommer! Angekündigt waren 35 Grad. So starteten wir um 7:21 Uhr ganz bequem in der Morgenkühle von der eigenen Haustür aus. Andrea hatte nach ihrem Friseurbesuch in Freiburg schon einmal das Durchs-Tor-fahren zelebriert, damit wir die Tour auf unserem ganz normalen Kaiserstuhlrundweg beginnen konnten. Während andere zur Arbeit rollten, ließen wir uns vom Rückenwind zur ersten Station nach Riegel schieben. Die alte Riegeler Brauerei und das Kunstmuseum Messmer lagen still im Morgenlicht. In der Elz gründelten die Schwäne. 

In altbekannten Dörfern lagen die Fachwerkhäuser mit ihren Tabakscheunen still an der Straße. Die Dorfgasthöfe heißen hier auffällig häufig „Schiff“ und träumen von alten Zeiten, als der Rhein noch am Hochgestade entlang floß und Schiffe anlegten, wo heute Maisäcker auf die Ernte warten.

Wir folgten der Elz bis zum Taubergießen, wo die flachen Rheinnachen schon auf erste Ausflugsgäste warteten. Allmählich nahm die Temperatur Fahrt auf. Das Wasser der Gießen in ihren grünen Tunneln sah verlockend kühl aus. Den Europapark in Rust hörten wir, noch ehe die großen Bögen der Achterbahn „Silberpfeil“ hinter dem Wald auftauchten. Andrea konnte die spitzen Schreie gut nachvollziehen, war sie doch vor Jahren mit Thea zusammen das wilde Teil geritten und hatte sich ebenfalls wohlig die Angst aus dem Leib geschrien. 

In Rhinau nahmen wir zusammen mit vielen anderen Radlern die Fähre über den Rhein nach Frankreich. Unser Ziel war der Canal du Rhône au Rhin, der uns schnurgerade, parallel zum Rhein nach Straßburg brachte. Es war Mittag und wir hätten uns gefreut, wenn es in einer der zahlreichen Schleusen ein Café gegeben hätte. Aber wir hatten vorgesorgt und verzehrten unseren üppig belegten Laugenbagel im Stehen im Schatten einiger Bäume, denn die Bänke lagen in der prallen Sonne. 

Der Kanal ist nicht sehr breit. Die für ihn gebauten Frachtschiffe dienen heute als Eigenheim der besonderen Art. Auf dem Wasser waren nur wenige Sportboote unterwegs. In den grünen, kühlen Unterwasserwäldern des Kanals schwammen aberhunderte von winzigen Fischlein. Wir hätten es ihnen gern gleich getan, trotz der vielen Reiher, die geduldig am Uferrand auf diese Beute lauerten. 

Bei Erstein quert die Ill den Kanal und beide bilden einen dunkelblauen See. Kurze Zeit später rückte ein Kanalmäher den Unterwasserwäldern zu Leibe und presste sie zu spinatigen Ballen. Eine große Schwanenfamilie nutzte die noch nicht gemähten Flächen und ergründelte – Schwänzchen in die Höhe – ihr Déjeneur

Kurz vor dem Hitzekollaps erreichten wir die große Kanalallee aus riesigen, alten Platanen. Dankbar tauchten wir in ihren Schatten und bewältigten ohne weitere Pause die Fahrt durch die immer dichter werdende Stadt bis zu unserem heutigen Ziel, dem Straßburger Münster, wo wir um die Mittagszeit herum ankamen. Aber zu einer lustvollen Stadtbesichtigung war es heute einfach zu heiß. Wir retteten uns ins nächste Café und erholten uns bei Eiswasser und Café au lait. Dann kapitulierten wir und radelten die letzten Kilometer ins nüchterne Kehl, um im Hotel nach einer kalten Dusche erst einmal in Tiefschlaf zu versinken. 

Insgesamt haben wir heute in Rekordgeschwindigkeit unser Ziel erreicht, aber es ging ja praktisch die ganze Zeit bergab und die südliche Brise schob uns an. 

Den Abend verbringen wir – ohne unnötige Bewegung – in der hoteleigenen Pizzaria in Kehls Fußgängerzone.