Tag 18: Althüttendorf – Neu-Helgoland bei Berlin (92 km, 314 hm)

Die ersten 45 km ging es heute entlang Bundesstraßen ohne Radweg und Randstreifen immer direkt nach Süden. Morgens war der Verkehr noch mäßig, gegen Mittag waren mehr Sonntagsausflügler unterwegs. Die meisten Autofahrer überholten zwar rücksichtsvoll, aber der große Tempounterschied zerrte bald schon gewaltig an den Nerven. Kurz vor Werftpfuhl hatten wir genug und bogen in den nächsten Forstweg ein, der uns dann bald auf ruhigere Landstraßen brachte.

Jetzt konnten wir auch wieder die Landschaft genießen. Es war nicht mehr ganz so hügelig wie in der Schorfheide, es gab weniger Wald, aber die Äcker waren kleinteiliger und man sah zahlreiche Obstplantagen. Die Dörfer haben immer noch die ursprüngliche Anlage von Gutsgehöften. Nur die Gutshöfe fehlen zumeist oder verbergen sich in ausgedehnten Parkanlagen. In Giesdorf zeugte nur noch ein Uhrenturm davon, dass der ehemalige Besitzer seine Arbeiter zu Pünktlichkeit und Arbeitsdisziplin anhielt.

Mittags erreichten wir den Straussee. In einem neu erbauten Burghotel, dass alte Gutsherrenherrlichkeit nachspielt, machten wir Pause. Weiter ging es auf einem kleinen Sandweg am Ufer des Sees. Auf der anderen Seite sahen wir die Stadt Strausberg liegen. Schilder erklärten uns die Ansichten auf die Stadt. Um 1900 betrieb man z.B. ein Seestrandbad, natürlich getrennt nach Geschlechtern.

Entlang des Stienitzsees fuhren wir durch ein Industriebrache. Hier hatten Gutsbesitzer Ende de 19. Jahrhunderts einen großen Ziegeleibetrieb eingerichtet. Der Ton vom Ufer des Sees wurde zu gelben Ziegeln gebrannt, die in der rasant wachsenden Hauptstadt gebraucht wurden. Zusammen mit rotem Backstein sorgen sie in Berlin heute noch für abwechslungsreiche Fassadengestaltung.

Das große Kalksteinwerk mit seinen imposanten Schachtöfen in Rüdersdorf hat man zu einer großen Museumslandschaft umgebaut. Eindrucksvolle Industriegeschichte, für die heute leider die Zeit fehlte. Das Gelände des ehemaligen Kalkberges, den man in Baukalk und Zement verwandelte, ist so weitläufig, dass man hier gut einen ganzen Tag verbringen kann.

Weiter ging es entlang am Kalksee, Flakensee, Dämeritzsee und Müggelspree nach Neu Helgoland. Hier teilt sich die Müggelspree in viele kleine Kanäle. Das Hotel mit großer Aussenterasse liegt sehr idyllisch am Wasser. Beim Abendessen schauten wir den vielen kleinen Motorbooten, Ruder- und Paddelbooten zu. Ein letzter schöner Sommerabend. Morgen soll es regnen.