Tag 16: Prenzlau – Althüttendorf (68 km, 343 hm)

In der Nacht hatte es wieder geregnet. Der erste Blick aus dem Fenster zeigte uns jedoch blauen Himmel. Im nahe gelegenen Park krächzten Dohlen und Saatkrähen ihr Morgenlied.

Vorbei an der prächtigen Marienkirche mit ihrem wunderschönen Schaufassade und den mächtigen Türmen ging es zuerst zum Unteruckersee. Schulkinder alberten auf dem Weg zur Schule. Zwei Fischer legten in Ufernähe Netze aus.

Wir folgten der Ucker bis Seehausen. Es ging auf gut ausgebauten EU-Radwegen durch die hügelige Eiszeitlandschaft. Äcker, Misch- und Kieferwald, tief blaue Seen umgeben von großen Schilfgürteln wechselten sich ab. Die Wege waren zumeist von Alleen oder Hecken gegen den Wind geschützt, so daß das Radeln heute wieder richtig Spaß machte. Die große Stille der Landschaft wurde zumeist nur von den Rufen der Raubvögel und gelegentlichem Trompeten der Kraniche unterbrochen.

Kurz vor Seehausen passierten wir den geographischen Mittelpunkt der Uckermark. Die engagierte Dorfgemeinschaft hatte überall Infoschilder zur Geschichte des Ortes, des abgegangenen Zisterzienserinnenklosters Marienwerder und ihrer kleinen hübschen Fachwerkkirche aufgestellt. Das ganze Dorf sah frisch renoviert aus, die Gärten prangten im Blumenschmuck.

Wir hatten Glück und trafen bei der Kirche einen der engagierten Dorfbewohner. Er öffnete uns die Kirche und erzählte uns von den Bemühungen, die der Pastor und die Gemeinde in die Renovierung investiert hatten. Noch war der Fußboden nicht ganz repariert, die Orgelbühne noch leer. Aber der kleine Spätrenaissance Altar und die Kanzel standen schon wieder und wirkten wie kleine Schmuckstücke im ansonsten weiß und grau gehaltenen Innenraum.

Auf einem Hügel hinter Seehausen hatten wir einen schönen Rundblick. Bernhard ließ seine Drohne steigen, während Andrea sich ins kurze Gras legte und den wandernden Wolken nachsah.

Unsere Mittagspause verbrachten wir in einer Pausenstation für Radler im Vorgarten eines Wohnhauses. Die Besitzerin versorgte uns mit Buletten, Kartoffelsalat und Pfannkuchen. Sie erzählte, dass es im Sommer zwar Tage mit viel Publikumsverkehr gibt. Im Frühjahr und Herbst kämen jedoch kaum Leute vorbei. Trotzdem hatte man den Eindruck, dass ihr die Versorgung der Gäste Spaß machte.

Vielleicht auf Grund der vielen Seen wirkten die Dörfer jetzt bewohnt und es gibt etliche Ferienwohnungen, Hotelanlagen und in Wolletz eine Klinik für Herz- und Kreislaufkrankheiten. Das Dorf besitzt auf dem Dorfanger einen großen Backofen. Die Beschreibung auf der Infotafel zum Dorf gab uns zu denken: „1987: Es wir ein Naturbackofen in der Dorfmitte gebaut, der Anfangs für Erich Mielke und nach der politischen Wende für Dorffeierlichkeiten genutzt wird.“ Mielke scheint die Attacke überlebt zu haben.

Interessant war auch der Erinnerungsstein für den Königsberger Physikprofesor Franz Neumann an der Stelle des aufgegebenen Dorfes Mellin. Er war hier als uneheliches Kind der Gutsbesitzerin und ihres Verwalters geboren worden und hatte es an der Wende zum 19. Jahrhundert zu großen akademischen Ehren gebracht.

Heute nächtigen wir in einer kleinen Hotelanlage am Gremnitzsee in der nordöstlichen Schorfheide. Morgen planen wir von hier aus zum Kloster Chorin zu radeln.