Tag 12: Greifswald

Heute war es etliche Grad kühler, aber die Sonne schien und der blaue Himmel war voller dicker weißer Wattewolken. Die Streckenplanung hat dafür gesorgt, dass wir Greifswald an einem Montag erlebten. So konnten wir leider nicht ins Pommersche Landesmuseum und nicht in die Caspar David Friedrich Ausstellung.

Zwei Caches zeigten uns die Stadt auf besondere Art. Ein EarthCache führte zu Gesteinen aus Schweden. Sie waren als Ballast in den Schiffen nach Pommern gekommen und jetzt kann man sie an Kirchen, als Bodenbeläge und auf Treppenstufen bewundern. Viele zeigen Versteinerungen – Schwämme, Korallen und Geradhörner.

Der zweite Cache führte uns einmal kreuz und quer durch und um die Altstadt und zeigte uns verschiedene Häuser im Zustand heute und nach der Grenzöffnung: Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt…

Greifswald gehörte leider nicht zu den Städten für die ein Restaurierungsplan der DDR existierte und war dem Verfall preis gegeben worden. Nicht der Krieg, sondern planvolle Vernachlässigung hat den Bestand an alten Häusern arg dezimiert. Ebenso wie im Westen wusste man die alte Bausubstanz lange Zeit nicht zu schätzen.

Auch heute gibt es noch einige Häuser in beklagenswertem Zustand. Leider gehört das Geburtshaus der Barockdichterin Sybille Schwarz auch zu diesen Fällen. Der Besitzer aus Süddeutschland verweigert sich allen Sanierungsplänen.

Aber überwiegend sieht die ruhige kleine Stadt mit ihren mittelalterlichen Backsteinhäusern, kleinen traufständigen Barockhäuschen und großen Häusern der Klassik, des Historismus und der Gründerzeit aus wie ein Schmuckkästchen. Gut haben uns auch einige neue Bauten gefallen, wie das Haus der Alfred Krupp Wissenschaftsstiftung, in dessen großer Glasfassade sich der Dom spiegelt. Oder die Wohnhäuser am Südrand der Altstadt, die in ihrem Grundriss der abgerissenen Stadtmauer folgen und deren Backsteinfassaden deren verschwundene Form zitieren.

Überall wurde auf Erinnerungsschildern ehemaligen Professoren der Universität Greifswald gedacht. Über dem Hauseingang eines der Plattenbauten am Hafen prangte umgeben von Kolben und Pipetten der Spruch: „Zucker, Zucker, meine Herren!“ Es war der begeisterte Ausruf Friedrich Loefflers, wenn seine Mitarbeiter wieder neue Ergebnisse vorweisen konnten. Loeffler, der Begründer der Virologie, lehrte unter anderem in Greifswald und hatte auf der Insel Riems ein Forschungsinstitut zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen den von ihm entdeckten Virus der Maul- und Klauenseuche.