Tag 11: Sellin – Greifswald (69 km,240 hm)

Gestern Abend war es sommerlich lau und wir unterhielten uns angeregt mit Katharina und Bernhard im Garten eines kleinen, urigen Restaurants direkt um die Ecke von unserer Pension.

Am Morgen färbte die aufgehende Sonne vor unseren Fenstern den Himmel feuerrot. Sellin schlief noch, kein Auto war zu hören. Nur vor dem Haus musste ein Wartender an der Bushaltestelle sein transportables Radio aufdrehen. Gut, dass der Bus ihn nach 10 Minuten davon trug. Um die Ecke gab es einen frühen Bäcker und wir frühstückten auf dem Balkon und beobachteten, wie die Sonne höher stieg.

Erstes Ziel des Tages war ein Besuch bei Bernhards langjähriger Sekretärin in Lauterbach-Putbus. Auf heute glatten Wegen fuhren wir aus der Stadt, bald schon entlang am Selliner See nach Moritzdorf. Hier standen wir an der Baaber Bek, die den See mit dem Having verbindet und stellten fest, dass wir hier eine kleine Ruderfähre nehmen mussten und der Fährmann erst ab 9 Uhr rüber holte. Also schauten wir noch eine Weile drei Fischern zu, wie sie ihre Angeln bestückten und kleine Fischlein überlisteten. Weiter draußen in der Bek schwammen die großen Fische und brachten immer wieder Schwärme kleiner Fische dazu panisch aus dem Wasser zu hüpfen.

Pünktlich um 9 Uhr wurden wir von einem wortkargen Fährmann übergesetzt. Als wir das 30 Meter entfernte Ufer erreichten kam der ersten Regenguß des Tages. Er hatte es Gott sei Dank sehr eilig. So schnell wie er sich heran geschlichen hatte, war er auch schon vorbei geweht. Wir saßen solange trocken im zweiten Fährwartehäuschen.

Dann ging es bergauf, bergab durch eine schöne, abwechslungsreiche Küstenlandschaft über Weißdornhecken geschützte Wege, durch alten Buchenwald, am Schilfufer entlang, durch kleine Dörfer, wo sich die kleinen Fischerkaten in Reet gedeckte Traumwochendhäuser verwandelten hatten.

In Groß Stresow stand König Friedrich Wilhelm I. von Preußen in Feldherrnpose im Vorgarten. Ursprünglich hatte die Statue die Stelle gekennzeichnet, an der der König im Nordischen Krieg in Rügen an Land ging. Auf einer Säule stehend hatte er seit 1855 als königliches Ausrufezeichen preußischen Triumphes über die Schweden gedient, auch wenn ihm selbst der militärische Erfolg nicht vergönnt gewesen war. 1991 wurde er gestürzt und nach Berlin gebracht. Hier verschwand er erstmal im Magazin wurde dort 2005 schwer beschädigt wieder befreit, renoviert und zurück gebracht. Warum er jetzt nicht mehr auf der Säule steht, blieb uns verborgen.

In Lauterbach wurden wir freundlich mit Kaffee und Kuchen bewirtet und es wurden Neuigkeiten ausgetauscht. Man hat sich gut eingelebt und engagiert sich ehrenamtlich für Putbus, seinen schönen Park und die Rosen vor den klassizistische Häusern in der Ortsmitte. Bei der Fahrt aus Lauterbauch hinaus bekamen wir u.a. das Haus „Kopf über“ gezeigt. Danach ging es noch zu dem eindrucksvollen Rondell, in dessen hochherrschaftlichen Häusern Bismarck und andere wichtige Persönlichkeiten residierten, wenn sie bei den Fürsten von Putbus zu Besuch waren.

Auf der ehemaligen Bahntrasse des Rasenden Rolands ging es dann Richtung Glewitzer Fähre. Die Lok des berühmten Dampfzuges hatten wir gestern und heute immer wieder pfeifen gehört, aber sie nie zu Gesicht bekommen. Ihre alte Trasse führte uns in bequemer 2 bis 4 % Steigung weiter durch die schöne Landschaft Richtung Küste. Den nächsten Regenguß überstanden wir unter dem Blätterdach dicker Buchen und Eichen. Ein Dreijähriger krähte uns vom Kindersitz des väterlichen Fahrrads zu: Haben sie heute garnicht nicht gemeldet, den Regen!

Die Ostsee zeigte bei der Überfahrt, dass sie durchaus auch rau sein kann. Der Wind hatte aufgefrischt und schob die weißen Segelboote fast quer liegend über den Strelasund. Von Reinberg ging es dann fast schnurgerade 13 km über eine alte Lindenallee nach Greifswald. Eine Straße ganz für uns allein, denn die Bundesstraße verlief parallel. Toll! Wenn sie nicht mit Katzenköpfen gepflastert wäre. In Greifswald spürten wir weder Po noch Hände.

Von dieser letzten Strapaze erholen wir uns heute Abend im Greifswalder Hafen bei Pils und Currywurst.