Tag 2: Heiligenhafen – Timmendorfer Strand (77 km, 240 hm)

Vor dem Fenster zwitscherten heute Morgen viele Schwalben und übten Landungsflug in eine japanische Kirsche. Hoch im Himmel probte die Jumboklasse – Kanadagänse – den Formationsflug und schnatterte begeistert, weil es schon so gut klappte.

Die Fahrt begann entlang des Binnenwassers zwischen Graswader und Heiligenhafen. In der Ferne sah man Fehmarn und die Sundbrücke. Schon bald überholten wir ein junges Paar und unterhielten uns angeregt über Radwege, Räder, E-Bikes und die Lust am Radfahren. Fast hätten wir sie bis Fehmarn begleitet, weil wir lustig plaudernd versäumten auf unseren Track zu achten.

Zurück in der rechten Spur radelten wir wieder rauf und runter über Feldwege, durch kleine Alleen und Kopfsteinpflaster über Land. Dann ging es zurück an die Küste, diesmal auf einem schmalen Deichweg. Hier herrschte reger Radverkehr: junge und alte Radler mit und ohne E, mit Wandergepäck, Strandutensilien oder schwerem Fotogerät, vermutlich für die Vogeljagd. Das Meer sahen wir nicht, denn der Deich führte hinter einem kleinen Dünengürtel entlang. Irgendwann mahnte eine Schild, dass wir FKK-Gebiet kreuzten und fast hätten wir das Nacktradeln getestet.

In Dahme ignorierten wir das Strandverbot für Leute ohne Ostseecard und beobachteten eine ganze Weile das Leben an der Strandpromenade bei Apfelschorle und Eiskaffee. An der Mole hielt ein kleiner Dampfer, der erst jede Menge Leute ausspuckte, dann wieder einsog, um dann Richtung Fehmarn zu tuckern. Ein Zweijähriger brachte mit seinem Forschergeist seinen Vater auf die Palme. Vor sich hin murmelnd untersuchte er alles was er für interessant hielt, nicht ohne auch mal einen Geschmackstest zu machen.

Am Ende des Deichwegs holten wir im Edeka noch ein paar Zutaten für ein nettes Picknick am Wegesrand. Andrea schwebte der Strand vor. Wir hätten vorher mal auf die Karte schauen sollen. Jetzt ging es wieder inland, entlang schnurgerader, diesmal auch größerer Straßen. Es dauerte eine Weile bis es wieder über Nebenstraßen ging. Rund um einen schönen Gutshof hofften wir auf eine Picknickstelle. Aber die Gutsherren waren wohl völlig entnervt von Leuten wie uns. Riesige Schilder mit Stophänden sollten uns Angst vor Zecken einflößen. Auf dem Gutsgelände selbst warnten uns eindeutige Hinweise hier keinen Fall Pause zu machen.

Na, gut, dann im nächsten Dorf eine Picknickecke neben einer Grube für das neue Glasfaserkabel. Hier konnten wir die Freuden des Daseins als Hundebesitzer beobachten. Drei Hunde in allen Größen ignorierten entspannt die Rufe und Warnungen ihres Besitzers und kamen kurz mal vorbei, um verschiedene Stellen markierend erstmal klar zu machen, wer hier Herr im Dorf ist.

Am Ortsausgang von Grömitz knallte es plötzlich metallisch. Dann schleifte Bernhards Hinterrad: Speiche gebrochen. 300 Meter weiter ein Fahrradladen. Aber wir freuten uns zu früh. Er sah sich außer Stande uns zu helfen, empfahl uns aber einen Kollegen. Und so ging es weiter über zwei weitere Radläden. Ergebnis: Servicewüste. Enttäuscht radelten wir erst einmal zu unserer Unterkunft, um von dort zu telefonieren. Erst 150 km weiter in Rostock versprach uns ein Radladen zu helfen. Bis dahin muss es notdürftig geflickt erstmal halten.

Der Blick heute Abend vom Balkon des Restaurants auf einen schönen See und abendlich Abschlag übende Golfer vor untergehender Sonne entschädigt ein wenig. Zeit für einen Cocktail.