Tag 23: Von Kappeln nach Kiel (87 km, 319 hm)

Heute Morgen starteten wir von der JH in Kappeln nicht allein in einen neuen Radeltag. Drei Frauen wollten teils ebenfalls bis Kiel, teils bis kurz davor radeln. Wir waren die Ersten, die losfuhren. Leider haben wir die Radlerinnen während des Tages nicht mehr gesehen.

Angesagt waren 92 km. So kürzten wir manche der merkwürdigen Kurven des Tracks kurzer Hand ab. Das Ostseebad Damp wollten wir z.B. nicht unbedingt besichtigen, nachdem wir am Horizont die Baukunst des 70er Jahre sehen konnten. Stattdessen fuhren wir auf kleinen, Hecken bestandenen Straßen, später dann auch auf schnellen Radwegen an wenig befahrenen Landstraßen entlang.

Bald sahen wir den nächsten Meeresarm. Wie heißt er noch gleich? Am Ende liegt Eckernförde. Heißt das Wasser dann auch Eckernförde oder Eckernförder Förde? Wikipedia klärte uns auf, dass es sich völkerrechtlich um eine echte Meeresbucht handelt: Eckernförder Bucht. Die gegebene Definition für eine völkerrechtliche definierte Bucht ließ uns allerdings ratlos zurück. Wikipedia eben. War es früher einfacher? Auf den dänischen Karten des 17. und 18. Jh. werden diese Meeresarme einfach alle „havn“ genannt, unterschieden nach den Namen der Hafenstädte am Ende der Bucht: Eckernförder Havn!

Egal! Wir umfuhren das Teil. Am östlichsten Punkt im Hafen von Eckerförde gab es Krabbenbrötchen für Bernhard und rosa Cherry-Hering für Andrea. Ein paar Einkäufe, ein paar Blicke in die pittoresken Gassen mit einstöckigen Häusern und Stockrosen und weiter ging‘s. Unter anderem durch „Surendorf“ – die Islamisierung Deutschlands scheint im Land zwischen den Meeren schon weit fortgeschritten zu sein.

Kurz bevor wir in der Kieler Bucht die Kieler Förde erreichten (schlagt das jetzt mal nach!) sahen wir ein einladendes Schild: „Strandhaus“. Da könnte man doch auf Kaffee und Kuchen hoffen. Wir sausten bergab, gelangten zu einer Ostsee typischen Steilküste, stellten die Räder ab, stiegen die Treppe herunter, ignorierten die Aufforderung Strandgeld zu bezahlen und erreichten das gastliche Strandhaus. Es gab Kaffee, Kuchen, Torte und exzellenten Tee.
Dazu schauten wir aufs Meer (der Kieler Bucht!) und den kurz mal einsetzenden Regen.

Gibt es hier eigentlich keinen Steilküsten-EarthCache? Andrea zog das GPS zu Rate und entdeckte 5 km entfernt an der Mündung der Kieler Förde einen EC zu Schwermineralseifen am Strand. Die Karte zeigte einen Weg direkt entlang der Küste an, zuerst als Fußweg, dann als Radweg. Der Weg startete, wie im Schwarzwald häufig auch, verlockend als breiter Waldweg mit mehr als zwei Meter Breite. Es ging durch einen schönen Uferwald. Bald begannen Äcker und Wiesen, der Weg wurde schmaler und dann hatte ihn der Pflug des Bauern zum Singeltrail zurecht geackert. Auf schmalem Pfädle ging es steil die eiszeitlichen Bodenwellen auf und ab, hart an der Abbruchkante, gute 20 Meter oberhalb der Ostsee entlang.

Abenteuerlich und nett. Ein Mountainbike wäre nicht schlecht gewesen. Aber das Gepäckgewicht hinderte uns nicht wirklich. Leichtfüßig erklommen wir die steilen Anstiege, sausten vorsichtig wieder zu Tal. Bis eine Wiese die Fahrt unmöglich machte. Der Pfad ging zwar weiter, aber der Stacheldrahtzaun war so eng an Pfad und Abbruchkante gestellt, dass auch Schieben lebensgefährlich geworden wäre. Über das benachbarte Stoppelfeld suchten wir einen Ausweg, umschoben die Weide, gelangten wieder auf den „Radweg“ zurück und bald auch an den Strand mit den Mineralseifen.

Ein schönes, letztes Ostseeerlebnis abseits des EV 10. Danach ein kurzer Schlenker um den Leuchtturm Bülk und schon lag die Kieler Förde vor uns. Am südlichen Ufer erkannten wir den markanten Turm des Marine-Ehrenmals in Laboe.

Kiel begrüßte uns mit flotten breiten Radwegen, zunächst entlang der großen Einfallstraßen und dann auch entlang der Förde bis zur Innenstadt und unserem Hotel direkt am Bahnhof. Auf einer Fähre überquerten wir den Nord-Ostseekanal, was uns aber erst am nächsten Tag bewusst wurde, als wir uns fragten, wo der wohl in die Förde mündet. Kurz vor dem Ziel sahen wir den Schweden- und Norwegenkai. Am Schwedenkai lag die große Fähre nach Göteborg. Andrea wäre gern eingestiegen und zurück gefahren. Bernhard war ganz zufrieden, Kiel erreicht zu haben.

Unweit des großen Anlegers genießen wir heute Abend bei einem Cocktail den Ausblick auf den äußersten Zipfel der Förde. Morgen verlassen wir die Ostsee, wenden uns landeinwärts Richtung Neumünster und zum Ochsenweg – einem Radweg der von Viborg in Dänemark nach Wedel führt.