Tag 16: Von Store Heddinge nach Stege (86 km, 311 hm)

Als erstes stand heute der Besuch der Kalk- und Kreidefelsen in Højerup auf dem Programm. Imposante 40 Meter hohe Klippen mit einer Kirche am Abgrund.

Die hohen Kreide und Kalkschichten werden von einer 5-10 cm dicken Tonschicht getrennt. Und diese kaum zu erkennende Schicht verschaffte den Klippen den Unesco-Naturerbe-Status. Sie kennzeichnet das Aussterben der Hälfte aller Arten auf der Erde hervorgerufen durch den Meteoriteneinschläge in Mexiko vor 65 Millionen Jahren. Zu den beklagenswerten Opfer gehörten auch die Dinosaurier. Danach erholte sich das Ökosystem wieder und die Säugetiere und Homo sapiens übernahmen die Vorherrschaft. Nachweisen lässt sich der Meteoriteneinschlag durch einen hohen Anteil von Iridium in dieser Schicht, ein seltenes Element, dass man oft in diesen Himmelskörpern findet.

Wir waren beeindruckt – nicht nur von dieser Geschichte, sondern auch, weil es ein besonders schöner Ort ist. Am Rand der Klippe thront eine mittelalterliche Kirche. Ihr ausgetretener Kalksteinboden erzählt von vielen fleißigen Kirchgängern. Der Chor wurde 1924 ein Opfer der an den Klippen nagenden Ostsee.

Heute waren wir nicht die nahezu einzigen Gepäckradler. Diese Strecke entlang von Seelands Küste ist ähnlich beliebt wie der Donauradweg. Ungezählte Radler jeden Alters waren mit und ohne Strom unterwegs. Ein Paar in unserem Alter radelte E von Kopenhagen bis Berlin.

Die meisten fuhren gen Norden. Wir waren wieder gegen den von Südwest blasenden, heute nicht ganz so heftigen Wind unterwegs. Das drückte den Schnitt am Morgen auf 16 km/h. Nachmittags gab es mehr neutrale und Rückenwindpassagen, so dass wir uns wieder auf einen Schnitt von knapp 19 km/h hoch strampeln konnten.

Die Landschaft wurde von Kornfeldern dominiert. Die kleinen strohbedeckten Katen favorisierten die Farbe weiß. Ab und an radelten wir durch alte Buchenwälder und immer wieder hatten wir einen weiten Blick aufs Meer und die Insel Møn, unser heutiges Ziel. Den Ulvsund zwischen Seeland und Møn überquerten wir bei Kalvehave über eine Brücke. Am höchsten Punkt hatte man eine fantastische Aussicht und das Gefühl über dem Sund zu schweben – wenn nicht das bedenkliche Beben und Wackeln, hervorgerufen durch die vielen Laster, gewesen wäre.

Das letzte Stück bis Stege war häßlich – eine viel befahrene Landstraße ohne Radweg und wieder einmal viel zu viele Autofahrer, die im 20 cm Abstand überholten und keine Ahnung haben, dass man sich dann jedes Mal so fühlt, als würde man von einer Kanonenkugel gestreichelt.

Unsere Unterkunft befindet sich in einem ehemaligen Landhandel, ein sehr helles Zimmer, auf zwei Seiten Fenster und Blick auf den Stege Nor, einen Brackwassersee. Angler werden von diesem See zu spitzen Begeisterungsschreien animiert, glaubt man dem Internet: „Brachiale Bisse im Brackwasser!“ Leider landen die enormen Fänge nicht in den örtlichen Restaurants. Die örtliche Gastronomie von Stege bewirtet uns wieder mit dem dänischen Lieblingsessen: Burger, Sandwich, Pizza und seltsame Salate. Aber was soll‘s, der radelnde Körper will gefüttert werden.