Tag 21: Budapest

Auf der Fahrt in die Stadt hatten wir gestern schon einen ersten Eindruck von der weitläufigen Pracht der großen Gebäude rechts und links der Donau erhalten. Unsere kurze Fahrt zum Hotel hatte uns einen kleinen Ausschnitt des quirligen Lebens in der Innenstadt gezeigt. Es ist nicht möglich, alle Budapester Sehenswürdigkeiten in einem Tag zu besuchen. Wir beschlossen, die Stadt einfach bei einem ausgedehnten Bummel auf uns wirken lassen.

Wir erstanden ein 24-Stunden-Ticket für die Budapester Verkehrsbetriebe und einen Regenschirm, da das Wetter sich von seiner regnerischen Seite zeigte. Wir begannen unseren Stadtbummel bei der großen Budapester Markthalle. Hier wünscht man sich, eine Küche zur Verfügung zu haben. Das große Angebot an Gemüse, Obst, Fleisch und Käse macht Lust zu kochen. Gemeinsam mit vielen anderen Touristen schlenderten wir weiter durch die verkehrsberuhigte Einkaufsstraßen Richtung Parlamentsgebäude.

Zwischen den vielen Souvenirläden fiel uns eine Bronzetafel mit einem Reiter auf. Sie erinnert an den Gewaltritt des jungen schwedischen Königs Carl XII. über 2150 km von Pitesti in Rumänien nach Stralsund. Er legte auf Postpferden täglich 143 km zurück und erreichte sein Ziel in lediglich 15 Tagen. Da sehen wir mit unseren rund 1300 km in 18 Tagen und 72 km pro Tag ziemlich blass aus. Aber man musste uns auch am Ziel nicht aus den Stiefeln schneiden.

In einem Café suchten wir Schutz vor dem ersten Regenschauer des Tages und lauschten bei einem Kaffee den Gesprächen der australischen, österreichischen, niederländischen und deutschen Gäste.

Über die prächtige Kettenbrücke wanderten wir auf die andere Donauseite nach Buda. Wie mittlerweile fast überall hatten auch hier Verliebte versucht, ihre Treue mit Schlössern magisch zu festigen. Nur gibt es hier aber nur sehr, sehr wenig Möglichkeiten kleine Liebesschlösser anzubringen. Die Liebespaare müssen sich mit wenigen Ringen in zumeist schmuddeligen Ecken begnügen. Wir mochten uns nicht vorstellen, was dies wohl für die Beziehung bedeutet.

Auf den steilen Burgberg von Buda fährt eine altehrwürdige Standseilbahn. Andrea wäre auch über die steile Treppe hinauf gestiegen. Bernhard schob jedoch seinen noch nicht völlig genesenen Fuß vor und so kamen wir in den Genuss einer kleinen Himmelfahrt, während der sich das Panorama von Pest auf der anderen Donauseite langsam vor uns ausbreitete. Die kurz durch die Wolken blitzende Sonne ließ die Stadt in allen Pastellfarben leuchten. Das Parlamentsgebäude strahlte wie eine Hochzeitstorte.

Der Burgberg empfängt den Besucher mit nationalen Symbolen und einer überwältigen Pracht herrschaftlicher Architektur. Wir schlenderten Richtung Fischerbastei und Matthiaskirche. Von der Festungsmauer hat man einen weiten Blick auf das sich die Berghänge hoch ziehende bürgerliche Buda. Natürlich suchten wir auch ein paar Geocaches und kamen am Eingang zum „Felsenkrankenhaus-Atombunker-Museum“ vorbei. Hier hatte man im zweiten Weltkrieg und während des Ungarnaufstandes Verletzte versorgt und im kalten Krieg ein geheimes Luftschutzkrankenhaus für den Fall atomarer Angriffe gebaut.

Die Zurschaustellung herrschaftlicher Macht und nationalen Stolzes machte uns müde und hungrig. Mit Glück ergatterten wir einen Platz im winzig gemütlichen, biedermeierlichen Café Ruszwurm. Hier wird der Hang des Biedermeier, sich in kleinen Gesprächsrunden mit allerlei Annehmlichkeiten zu verwöhnen, wieder lebendig. Die nach alte Rezepten gefertigten Torten sind hervorragend. Wir können einen Besuch nur empfehlen!

Die Standseilbahn brachte uns wieder sicher zur Kettenbrücke. Bernhard würzte die steile Fahrt hinunter mit dem Hinweis, dass es kein Sicherungsseil gibt. Da es wieder regnete, fuhren wir zwei Stationen mit der kleinen gelben Straßenbahn am Flussufer entlang bis zum Fähranleger, von dem aus wir gestern die Stadt betreten hatten.

Die Straßen zum jüdischen Viertel und zur großen Synagoge hatten uns gestern so gut gefallen und jetzt schlenderten wir unter dem neu erstandenen, leuchtend grünen Regenschirm durch die breiten Boulevards und schmalen Straßen, warfen Blicke in teure und bescheidene Geschäfte bis wir hinter einem mächtigen Torbogen eine kleine Straße mit vielen kleinen Restaurants entdeckten.

Im „Konyha“ aßen wir gut zu Mittag und machten eine lange Lesepause. Fast hätten wir eine der ausgestellten Karikaturen erstanden, die sich über die Pracht- und Machtarchitektur der Stadt lustig machen und sie auf ein gewünschtes, lebbares Maß zurecht stutzen. Nach einer gemütlichen Stunde warfen wir noch einen Blick auf die große Synagoge in der Dohány Utca und nahmen dann die U-Bahn zurück ins Hotel.

Morgen heißt es dann, früh am Morgen Abschied zu nehmen. Vom prächtigen Keleti Bahnhof geht es mit dem Zug entlang der Donau und durch die Alpen zurück nach Hause.