Tag 16: Von Boizenburg nach Buchholz (83 km)

Die Wetterfrösche hatten wieder einen heißen Tag prophezeit. Am frühen Morgen jedoch war die Welt noch frisch und klar und es duftete nach Flusswasser, da unser Hotel direkt am Boizenburger Hafen lag.

Wir blieben auf der rechten Elbseite und stiegen am Ortsausgang wieder hinauf auf 70 Meter, passierten den Checkpoint Harry  und radelten durch alten Buchenwald bis Lauenburg. Hier mussten wir unbedingt noch einen Kaffee in dem gleichen Cafe trinken, in dem wir auf unserer Paddeltour Station gemacht hatten. Es war damals ein windiger Tag gewesen und neben uns hob plötzlich ein Sonnenschirm ab. Bernhard griff geistesgegenwärtig nach dem Stiel und konnte den Schirm so unter dem Applaus der anderen Gäste vor einem Bad in der Elbe bewahren. Es war wieder ein sonniger Morgen, aber diesmal wehte noch kein Wind. Das Café war auch eigentlich noch nicht auf, aber wir erhielten trotzdem unseren Kaffee.

Lauenburg wirkte so verschlafen wie seit Jahr und Tag. Die wunderbaren alten Ziegelfachwerkhäuser strahlten warm in der Morgensonne, als wir uns auf holprigem Kopfsteinpflaster Elbe abwärts bewegten. Am Ende der Altstadt stand wieder eine Bergwertung an. Wir mussten zurück hinauf auf die Höhe und radelten erneut durch alten Buchenwald mit  schönen Ausblicken auf die Elbe.

In Geesthacht kamen wir am Elbesperrwerk und am Kernkraftwerk Krümmel vorbei. Jetzt begann die Sonne zu stechen und es wurde unangenehm warm. Wir schwitzten am Morgen schon mehr als an den anderen Tagen während der Mittagshitze.

Wir besuchten das ehemalige KZ Neuengamme, dessen Informationszentrum während unserer Studienzeit gebaut worden war, und wo, ein Skandal, noch bis 2003 von der Stadt Hamburg eine JVA betrieben wurde.

In Curslack, an der schönen alten Kirche St. Johann, warteten wir auf unserem Freund Norbert. Er begleitete uns auf einem bequemen Eisenbahnradweg bis zum Zollenspieker Fährhaus. Hier nutzten wir den Service der Imbissbude, bevor wir mit der Fähre übersetzten. Norbert begleitete uns bis Winsen/Luhe und gab uns als Kenner der nördlichen Elblandschaft viele Tipps. Vor dem Abschied fragte er uns, ob wir uns auf die Harburger Berge eingestellt hätten. Noch hatten wir nur ein verächtliches Grinsen. Schließlich ist der höchste Hügel nur schlappe 150 Meter hoch.

Aber das sollte uns bald vergehen. In der Hohen Geest und der Hohen Heide wurde es unangenehm heiß. Die Wege waren sehr sandig. Bei Bernhard machten sich die Medikamente bemerkbar, die er wegen eines Wespenstichs kurz vor Curslack hatte nehmen müssen. Wir schwitzen und ächzten und beschlossen noch eine Pause mit viel Apfelschorle einzulegen. Danach flitzten wir nicht gerade, aber wir kamen dann doch noch wohl behalten bei Klaus und Hilke in Buchholz an.

Die zwei versorgten uns mit einer erfrischenden Gartendusche, eiskalten Getränken und Pflaumenkuchen. Da kamen die Lebensgeister schnell zurück und wir verbrachten einen gemütlichen Abend miteinander.