Tag 15: Schnackenburg nach Boizenburg (106 km)

Der Morgen war klar und frisch. Der blaue Himmel kündigte wieder einen heißen Tag an. Wir frühstückten in der mit vielen Kaffeekannen dekorierten, ehemaligen Schule von Schnackenburg gemeinsam mit recht vielen anderen Radwanderern.

Eigentlich sollte es direkt mit der Fähre zurück ans rechte Elbufer gehen. In der Nähe lagen jedoch zwei Caches und so beschlossen wir den Landkreis Lüchow-Dannenberg zu becachen und radelten linkselbisch bis Gartow und von dort auf den Höhbeck.

Exzellente Erklärungstafeln gaben Auskunft über die Entstehung des Bergleins und die frühe Besiedlung seit der Altsteinzeit.  Ein Earthcache lockte uns auf den Aussichtsturm. In fast 100 Meter Höhe, fast wurde uns schwindlig, hatten wir eine wunderbare  Aussicht über die Elbe, das Wendland und die Lenzerwische.

Rasant schossen wir 50 Meter wieder hinunter zur Elbe und nahmen die Fähre nach Lenzen. Kurz vor der Abfahrt suchten wir noch eine Dose und weckten eine verschlafene schwarze Ringelnatter, die es sich in dem Baumstumpf bequem gemacht hatte. Die sind ja im Gegensatz zu den schwarzen Schlangen in Australien völlig harmlos. Deshalb konnte der radelnde Charon, den wir am andern Ufer trafen, nicht für uns tätig werden.

Die rechte Seite hatten wir damals vor 33 Jahren vom Paddelboot aus vor allem als bedrohliche Wachturm- und Sichtzaunkulisse wahrgenommen. Ab und an sahen wir geduckte Häuser hinter dem Deich in sehr schlechtem baulichen Zustand. Heute hatte sich alles umgekehrt. Die wenigen erhaltenen Wachtürme waren in schlechtem Zustand, die wunderbaren Backstein-Fachwerkhäuser top renoviert mit Bauerngärten voller Sommerblumen. Die Sicht verstellenden Zäune, unter denen die Bewohner des Grenzstreifens sehr gelitten hatten, sind abgerissen und der Blick auf die Elbe wieder frei.

Wir sahen rechts die Höhen des Drawehn und links vor allem die lang gestreckten, hinter dem Deich liegenden Reihendörfer. Wir fuhren durch Lenzen, Wootz und Kiez, Werder Unbesandten und Besandten und erreichten um die Mittagszeit Dömitz, ein kleines noch Zukunft suchendes Festungsstädtchen ganz aus Backstein.

Leider hatten hier noch keine Cafés geöffnet. So fuhren wir weiter, sahen die Reste der alten Eisenbahnbrücke, die lange Zeit als Symbol der abgebrochenen Beziehungen zwischen West und Ost galt, sowie die neue, blaue Autobrücke, die sie heute wieder verbindet. Ein paar Kilometer weiter fanden wir eine schön renovierte Bauernhofdiele, vor der uns Pfannkuchen mit Blaubeeren und Eis serviert wurden.

Weiter ging es und wir blieben beim Motto des Tages: „Schneller als der Wind“. Er blies stetig und kräftig von Südost und ließ uns wieder über die Deiche der „Arche Region“ fliegen. Wir radelten etwas schneller als der Wind, um kühlenden Fahrtwind zu produzieren. Trotz der vielen Radler beim Frühstück in Schnackenburg, sahen wir heute vergleichsweise wenige Radler auf den Wegen. Aber in den Cafés und Restaurants drubbelten sich die Räder in den Fahrradständern. Vermutlich machten die meisten Radler heute wegen der großen Wärme häufiger Pausen.

Die Mittagshitze ließ uns auch an ein Nickerchen im Schatten denken, oder besser noch, ans Schwimmen. Aber wir sahen nie Leute in der Elbe baden und Schwimmteiche gab es auch nicht – alles Biosphären reservierte Altarme. So produzierten wir halt Fahrtwind und waren heute schon früh auf Höhe Bleckede. Wir beschlossen auf der rechten Seite zu bleiben, noch ein paar Kilometerchen dran zu hängen, in Boizenburg zu übernachten und dort den lauen Sommerabend zu genießen.