Tag 3: Von Hradec Králové nach Kolín (89 km)

Heute Morgen weckte uns der Regen. Der Wetterbericht versprach allerdings trockenes Wetter und wärmere Temperaturen. Der Pensionswirt brachte uns zunächst einmal das Frühstück aufs Zimmer: leckeres Brot, reichlich Aufschnitt und wunderbar starken türkischen Kaffee. Danach entschieden wir uns dem Wetterbericht Glauben zu schenken und gegen die Regenkleidung.

Königgrätz besichtigten wir noch unter dunkel verhangenen Himmel.  Aber die hellen, bunten Farben der barocken Häuser strahlten auf dem wunderschönen großen Marktplatz um die Wette. Wir drehten eine Runde durch die Altstadt, fotografierten die alten Häuser und die zwischen ihnen immer wieder zu findenden jüngeren , ebenfalls interessanten Bauwerke tschechischer Architekten, die vor hundert Jahren den Jugendstil und die Moderne in die alte Stadt brachten.

Der Radweg führte an der Elbe entlang aus der Stadt hinaus, wo uns das nächste phantastische Stauwehr im Jugendstil und eine vom Bauhaus inspirierte Wohnsiedlung aus der Stadt verabschiedeten. Überhaupt stammt der größte Teil der Bauwerke entlang der Elbe vor allem aus der Zeit von vor dem ersten und zweiten Weltkrieg und zeugt von der Boomzeit um 1900 und dem Reichtum Böhmens.

Unser Radführer kündigte uns heute den gefährlichsten Teil der Reise durch die Tschechei an. Der von der EU gesponserte Radweg endete und wir wurden auf eine schmale Landstraße auf einem hohen Straßendamm umgeleitet, die keine Seitenstreifen, dafür aber tiefe Gräben direkt neben der Fahrbahn hatte. Es war noch nicht viel Verkehr unterwegs. Die wenigen Autos fuhren allerdings, als gäbe es keine unübersichtlichen Kurven und keine Bremsen. Wir entschlossen uns daher die etwas längere Ausweichstrecke zu fahren, um das bäuerliche Hinterland zu besichtigen. Hier war denn auch sehr wenig Verkehr. Und schon bald sahen wir die Burg Kunétická Hora auf ihrem hohen Felsen, wo wir wieder auf den Radweg 2 entlang der Elbe stießen.

Entlang der Elbe? Nein, heute eher nicht. Ab Pardubice ist die
Elbe schiffbar. Hohe Deiche und Schleusen sorgen dafür. Wir wurden aber immer wieder ins Hinterland geführt, so dass wir sie erst kurz vor Kolín wieder sahen.

In Pardubice überquerten wir sie noch einmal. Hier wurde heute Olympia mit vielen kleinen Sportveranstaltungen gefeiert. Man konnte diverse Sportarten ausprobieren. Die kleinen MTB Fahrer gefielen uns am besten.

Vorbei am wunderschönen Renaissanceschloß in dem heute, zusätzlich ein eintrittspflichtiges Mittelalterfest gefeiert wurde, fuhren wir in die ebenfalls sehr sehenswerte Altstadt und machten Pause bei Kaffee und Apfelschorle.

Kurz hinter der Stadt trafen wir auf zwei rüstige, ältere Radler aus Mannheim, die wir in den letzten Tagen schon mehrfach gesehen hatten. Wir kamen ins Gespräch und radelten gemeinsam bis Brehi. Sie hatten als Ingenieure im Atomkraftwerk Biblis gearbeitet. Der eine stammte aus dem Sudetenland und hatte den Plan, die alten ehemals deutschen Gebiete abzuradeln und sein Kollege begleitete ihn. Zum Mittagessen trennten wir uns. Sie fahren noch bis Dresden. Wir werden sie wohl noch häufiger sehen.

Am Nachmittag fuhren wir durch das riesige Nationalgestüt  Kladruby nad Labem, das von Kaiser Rudolf II 1579 zum Hofgestüt ernannt wurde und in dem bis heute die Kladruber gezüchtet werden. Die wunderschönen, auf spanische und italienische Rassen zurück gehenden, stolz anmutenden Schimmel gefielen uns. Wir blieben allerdings unseren schwarzen Drahteseln treu.

Nach einer kleinen Bergpartie und sandigen Feld- und Waldwegen bei Tynec nad Labem stießen wir kurz vor Kolín wieder auf die diesmal schokoladenbraune Elbe. Ein Kilometerstein erinnerte uns an Bernhards Spucke. Wir rechneten aus, dass wir gegenüber der Spucke einen Vorsprung von 20 km herausgefahren hatten.

In Kolín erreichten wir müde, hungrig und von der Sonne durchglüht unser Hotel. Der Wetterbericht hatte Recht gehabt. Nach wenigen Stunden kam heute die Sonne heraus und jetzt haben wir vom dritten Stock einen weiten Blick über die böhmische Tiefebene und können am Horizont gerade noch das Riesengebirge erahnen.